Anno 17 hatte sich der Hype um die Geburt des kleinen Jesus von N. gelegt, also beschränkte sich das Berichtenswerte weitgehend auf den Imperialismus der Römer und diverse Aufstände dagegen (Berber, Mauretanier, Germanen).
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Anno 17 hatte sich der Hype um die Geburt des kleinen Jesus von N. gelegt, also beschränkte sich das Berichtenswerte weitgehend auf den Imperialismus der Römer und diverse Aufstände dagegen (Berber, Mauretanier, Germanen).

Times mager

17

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Was man damals so gar nicht kannte, war Zeitverlust beim Aufsagen der Jahreszahl. Und man hatte anno 17 ja eh den ganzen Tag nichts Besseres zu tun.

Heute aus gerade noch halbwegs aktuellem Anlass: ein Blick zurück ins Jahr 17. Es muss ein spektakulär ereignisloses Jahr gewesen sein, wenn man sich durch die Nachschlagewerke klickt, jedenfalls verglichen mit Jahren wie 1817 oder 1917, in denen doch deutlich mehr lief.

Anno 17 hatte sich der Hype um die Geburt des kleinen Jesus von N. gelegt, und bis zu seinen Großtaten samt Ab- und Wiederaufleben war es ein Weilchen hin, also beschränkte sich das Berichtenswerte weitgehend auf den Imperialismus der Römer und diverse Aufstände dagegen (Berber, Mauretanier, Germanen). Etwas Statistik zum Jahr 17 n. Chr.: Erdbeben mit Gebäudeschaden: 1. Bedeutende Sportereignisse: 0. Verstorbene Promis: 5. Werte, die wir heute quasi täglich toppen.

Was man damals so gar nicht kannte, war Zeitverlust beim Aufsagen der Jahreszahl. „Siebzehn“ dauert zwar doppelt so lang wie etwa „drei“. Aber man hatte anno 17 ja eh den ganzen Tag nichts Besseres zu tun. Dagegen brauchte die Menschheit im Jahr 1997 vier- bis fünfmal so lang, um ordnungsgemäß aufzusagen, an welcher Stelle der Weltgeschichte man sich gerade befand. Und hier kommt nun der Hauptinformant der Beatles-Jubiläen-Redaktion (BJR) ins Spiel. Der Mann, der gern wichtige Jahrestage ins gut geölte Gedächtnis der Frankfurter Rundschau einfädelt, warf Ende 2016 die Frage auf, warum wir „zweitausendsechzehn“ (1) sagen, auch „zwanzigsechzehn“ (2) – aber nie „zwanzighundertsechzehn“ (3).

Das mag auf Anhieb irrwitzig erscheinen, schließlich ist Variante 3 fremd im Klang, eine Silbe länger als Variante 1 und zwei Silben länger als Variante 2. Aber sie ist drei Silben kürzer als „neunzehnhundertsiebenundneunzig“. Und hat Tradition. Denn handeln wir nicht seit gut 900 Jahren in dieser Manier? Sagen wir nicht „elfhundertsiebzehn“ und „neunzehnhundertsiebzehn“? Heißt Orwells Roman etwa „Eintausendneunhundertvierundachtzig“? Na also. Da wird in Hundertern gezählt, aber seit die 2 vornedran steht, nicht mehr. Seltsam.

Haarig wird die Sache natürlich im nächsten Säkulum. Dann hätten wir mit Daten wie „neunundzwanzigster Februar einundzwanzighundertsiebenunddreißig“ übers Jahr gesehen so lang zu tun, wie der Germane anno 17 n. Chr. zum Jagen von elf Auerochsen brauchte. Ist der Mensch womöglich deshalb schon jetzt zur kürzeren Sprechversion übergegangen? Nein. Wann hätte der Mensch je etwas bis ins nächste Jahrhundert geplant?

Sei’s, wie es ist. Der BJR-Informant ahnte von vornherein, dass er mit seinem Hinweis 16 Jahre zu spät dran ist, Minimum.

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