1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

100 und 2

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Mann ohne Anekdoten: Regisseur Alfred Hitchcock und Schauspieler Gregory Peck.
Der Mann ohne Anekdoten: Regisseur Alfred Hitchcock und Schauspieler Gregory Peck. © imago/AD

Vor hundert Jahren und zwei Tagen wurde Eldred Gregory Peck geboren, der schönste Mann der Welt.

Vor hundert Jahren und zwei Tagen wurde Gregory Peck geboren. Dass sein erster Vorname Eldred lautete, hängte er nicht an die große Glocke. Sein dritter Name war ohnehin Diskretion.

Er sei der unanekdotischste Mann von Hollywood, meinte Alfred Hitchcock, und er meinte es nicht nett, und eine Anekdote (ha!) besagt, dass er Gregory Peck für „Der unsichtbare Dritte“ entgegen der Studio-Planung nicht besetzen wollte, weil er ihm zu ernst war. In der Tat füllte Cary Grant, Hitchcocks Wunschkandidat, die Rolle mit der eigenartigsten Komik der uns persönlich bekannten älteren Filmgeschichte.

Gregory Peck dabei zuzusehen, wie er lustig war, in „Ein Herz und eine Krone“ – neben der irrsinnig ulkigen Audrey Hepburn – oder in „Arabeske“ – neben der fabelhaft komischen Sophia Loren und in einer Rolle, die wiederum eigentlich für Cary Grant vorgesehen war –, ist immer ein Erlebnis, das auch ein wenig verlegen macht. Dies gilt ebenso, wenn man Gregory Peck dabei zusieht, wie er eine Charakterrolle spielt und als Dr. Anthony Edwardes alias John Ballantyne verzweifelt auf eine weiße Tischdecke starrt, welche den Traumatisierten an den Schauplatz eines Mordes in einer Skigegend zurückführt. Aber Ingrid Bergman wird ihn heilen.

Man verspürt mit der eigenen, sympathisierenden Verlegenheit die Restverlegenheit eines Darstellers, der sich große Mühe gibt, mehr zu bieten, als das, was jeder sofort sieht. Es ist nicht einfach, überwältigend, makellos schön zu sein. Wenige Menschen gehen mit so viel Würde damit um.

Und von der McCarthy-Ära bis zur Diskussion um Schusswaffenbesitz im Zusammenhang mit dem Amoklauf an der Columbine High School – denn über Jahrzehnte währte seine Karriere als Hollywood-Star erster Güte – bemühte sich Gregory Peck in jeder Hinsicht, mehr zu bieten als diese Schönheit. Die zur Folge hatte, dass der Quereinsteiger aus dem Apothekerhaushalt schnell kleine Theaterrollen bekam. Man sah ihn, und während er noch erklärte, dass er noch nicht richtig ausgebildet sei, hatte er die Rolle bereits. Gregory Peck aber vertrat nicht nur ein Amerika des perfekten Zahnstandes, sondern auch eines des Anstandes, der Liberalität, der Meinungsfreiheit und der Friedfertigkeit.

Aber warum geht das Times mager auf all dies ausgerechnet am 7. April 2016 ein und hat dies nicht zum Beispiel am 5. getan, was doch viel logischer gewesen wäre? Weil das Times mager nicht so fehlerfrei ist wie Gregory Peck. Und weil die Schönheit und weil auch das Noble einen ganz kleinen Makel brauchen, um zu ertragen zu sein.

Auch interessant

Kommentare