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Tanz-Theater

Ran an den Zuschauer

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Drei sehr unterschiedliche Tanz-Performances konnten dieser Tage nacheinander im Frankfurter Mousonturm besucht werden. Von Sylvia Staude

Die junge Tanz-Theater-Szene, die im Frankfurter Mousonturm einen aufmerksamen Begleiter und wandelbaren Aufführungsort hat, scheint zur Zeit damit beschäftigt, in jede Ecke zu gucken. In jede Ecke, in der sich noch eine neue Bewegungsidee oder Konzeption verstecken könnte. Drei sehr unterschiedliche Konzepte - nacheinander konnten sie in diesen Tagen im Mousonturm besucht werden - führten aber letztlich zu nicht sehr erregenden Ergebnissen. Wenn man absieht davon, dass Hetero-Männer und lesbische Frauen sich durchaus von der "Soirée" der Schweizer "Company" angeregt fühlen mochten.

Aus elf hübschen Frauen (eine fehlte im Mousonturm) besteht die Truppe, drei von ihnen - Alexandra Bachzetsis, Tina Bleuler, Lies Vanborm - verantworten Konzept und Regie. Sie haben die unterschiedlichen Talente der Mitwirkenden zum Zuge kommen lassen: Die Frauen tanzen, singen, catchen, fesseln und biegen sich, spielen Schlagzeug, Gitarre. Dabei werden alle Klischees sexueller Animation rauf und runter dekliniert. Zum Beispiel: Knallenge schwarze Jeans, ein bisschen Silberfolie als BH auf nacktem Oberkörper, lasziver Blick von unterm Cowboyhut. Schwarzes Kleidchen, das so kurz ist, dass noch ein Stück Po rausguckt. Leder, natürlich auch schwarz. Darin eine Schlangenfrau.

Eine gute Portion Ironie ist dabei. Und manchmal trägt die Company so dick auf, etwa beim Catchen, dass über der Szene ein Hinweisschild zu blinken scheint: wir machen nur Spaß. Gegen Ende stellt sich das Ensemble zum gemeinsamen Weinen auf, aber heißt das nun: in Wahrheit fühlen wir uns mies und ausgebeutet?

Die Schweizer Frauen-Truppe packt ihren Stoff nicht hart genug an. Und ihr Publikum auch nicht: Zuerst muss dieses auf der Bühne rumstehen, die Darstellerinnen kommen ihm ziemlich nah, doch nach zehn Minuten darf es sich in den Zuschauerraum setzen.

Da geht Hooman Sharifi entschlossener vor. Einen Zuschauer, einen Darsteller bringt er für jeweils 15 bis 20 Minuten zusammen, auf der Studiobühne des Mousonturms sind dafür drei längliche Räume abgegrenzt worden mit dickem schwarzem Stoff. Artig stellen sich die Tänzer vor, nett sagen sie, man könne stehen oder sitzen, man solle es sich bequem machen. Es gibt, per gutem alten Overhead-Projektor, ein wenig Text zu lesen (die Rezensentin erwischte zweimal Peter Handke und einmal Roland Barthes), dann setzt der Tänzer/die Tänzerin den Text in Bewegung um. Handke etwa schämt sich für seine zweite Hand, so spreizt also Matthew William Smith irgendwann ein paarmal beide Hände ins Licht, angespannt und dicht vor seiner Zuschauerin.

Die tut ihr Bestes, Text und Aktionen zu verzahnen - aber wenn etwas in den "No-Projects" Hooman Sharifis vorzüglich zu begreifen ist, dann dies: In Sprache gefasste Inhalte lassen sich herzlich schlecht in Bewegung übersetzen. Die kurzen Begegnungen haben dennoch ihren Reiz, ihre Herausforderung, weil man sich als Zuschauerin nicht in der Menge der anderen Zuschauer-Voyeure verstecken kann. Und manchmal kommt einem dieser fremde Mensch so nahe, dass man etwa den Atem an der Wange spürt.

Mette Ingvartsen und Jefta van Dinther halten dagegen nicht nur Abstand, sondern verlassen in keinem Moment ihre besondere Tanzfläche: zwei große Trampoline. Das Publikum sitzt auf zwei Seiten und kann sich entspannen. Inklusive der kleinen grauen Zellen. Denn hübsch ist, was Ingvartsen und van Dinther hier vorhüpfen, oft in präzisem gemeinsamem Rhythmus. Doch "It's in the air", so der Titel, führt nicht hinaus über dieses generelle Wohlgefallen. Viele Variationen sind den beiden Tänzern/Choreografen eingefallen, aber es ist, wie wenn man einem guten Jongleur oder Trapezartisten zusieht. Aber vermutlich werden sie eh bald auf die Suche gehen nach einer anderen Ecke.

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