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Oh, er liest eine Komödie: Elisabeth und Anton.

Frankfurt

„Winterrose“ im Fritz-Rémond-Theater: Dabei hat sie vorher gebüffelt

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Von den Problemen später Partnersuche erzählt im Rémond-Theater die Komödie „Winterrose“.

Er lässt seine zweifellos nicht schlechte Bildung doch ein wenig raushängen: Oberon und Titania, Rosencrantz und Guildenstern nennt er vier Enten auf dem Teich, vor dem er immer auf einer Bank sitzt und, nochmal oho, Dantes „Göttliche Komödie“ liest. Ach, eine Komödie liest der Herr, fragt da sie – eine ja nicht ganz abwegige Frage. Sie setzt ihre Brille auf, sie linst herüber, um festzustellen, um was für eine Art von irre dicker Komödie es sich handeln könnte. Er drückt ihr das Buch in die Hand. Das Publikum freut’s erheblich.

Das Frankfurter Rémond-Theater eröffnet die Saison mit der durchaus ein wenig romantischen, aber auch nicht übermäßig auf ein Happyend zielenden Komödie „Winterrose“, geschrieben von Christa, Agilo und Michael Dangl (eine Familienangelegenheit). Es geht darin um zwei Menschen, die sich – zuerst rein zufällig, dann eher nicht mehr zufällig – auf einer hübschen weißen Bank im Park treffen (Bühne: Tom Grasshof). Einen Teich mit Enten darf man sich vorstellen, dazu in der Nähe das Café Kindermann. Sie verabredet sich dort immer mit den Männern, die sie via Kontaktanzeige (Chiffre: Winterrose) kennenlernt. Er möchte eigentlich auf der Bank nur in Ruhe – und Stille! – lesen. Hätte sie nur nicht dieses Bedürfnis, jeweils ihre jüngsten Erlebnisse mit diesen Männern auch gleich loszuwerden. Und wenn Gärtner Horst gerade kein einfühlsames Ohr leihen kann ... Horst ist eine Art Katalysator und als solcher auch Alltagsphilosoph in diesem schon fast Zwei-Personen-Stück. Man sollte ihn nicht unterschätzen, obwohl er noch nie von Rosencrantz und Guildenstern und auch nicht von Dante gehört hat.

Elisabeth also, eine reizend munter-nervige Verena Wengler (und munter-nervig soll sie ja in dieser Rolle auch sein), setzt sich vor ihren Rendezvous mit Feldstecher auf die Bank, um zu schauen, wer da so das Café betritt und ob sie denjenigen auch tatsächlich treffen will.

Anton, ein grantig-knurriger René Toussaint (und grantig-knurrig soll er ja auch sein), sitzt auf der Bank, um die Liebeshändel der Enten zu beobachten (und ihnen passende Namen zu geben) und in Ruhe das nächste Werk der Weltliteratur zu lesen. Er ist zunächst unfreiwilliger Zeuge des „Männerverschleißes“ Elisabeths. Dann hat er doch seinen Spaß daran.

„Winterrose“ ist ein unaufwendiges, stilles Stückchen Theater, still jedenfalls, wenn man von den Momenten absieht, in denen Gärtner Horst, Gabriel Spagna, sein tragbares Radio einschaltet. Ein ganz furchtbarer Sender läuft da, Menschen grüßen sich, Schnulzen erklingen. Glücklicherweise macht der grantige Anton dem meist schnell ein Ende.

„Winterrose“ ist auch ein Theater, in dem ein Geschichtchen nach dem anderen erzählt wird, zwei Menschen miteinander sprechen, und das im Grunde völlig reicht. Es ist sogar besser, wenn der Typ, der immer nur Lateinisch spricht, nicht auftritt (Elisabeth hat vorher sogar lateinische Pflanzennamen gebüffelt, aber nun was für eine Enttäuschung). Oder der Typ, der in Reimen spricht und den sie abserviert mit „Ich hege weiter keinen Groll/ leben Sie woll“. Der eine Mann nimmt Anstoß daran, dass Elisabeth nicht wie seine Mutter ist. Der andere fragt als erstes, ob sie Gummistiefel besitzt. Der dritte ist Hundebesitzer und sagt ihr: „Sie sind ja eine ganz Feine.“ Immerhin streicht er ihr nicht über den Kopf dabei.

Da können doch auch die Herren im Theatersaal relativ herzhaft lachen, während die Damen manches Männerverhalten durchaus wiedererkennen.

Rémond-Theater im Zoo, Frankfurt: bis 13. Oktober. www.fritzremond.de

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