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Szene aus Heinrich Heines „Der Rabbi von Bacharach“ am Rheinufer. 

Mittelrheintal

Zum dritten Mal: Theater Willy Praml führt Regie bei "An den Ufern der Poesie" 

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Das Theater Willy Praml aus Frankfurt übernimmt zum dritten Mal die Leitung des Theaterfestivals "An den Ufern der Poesie". 

In Sachen Theater geht es im August wieder ans Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal: Zum dritten Mal übernimmt das Theater Willy Praml die künstlerische und organisatorische Leitung des zweijährlichen Theaterfestivals „An den Ufern der Poesie“. Mit dem Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert und der Erzählung „Lenz“ von Georg Büchner, die Willy Praml zuletzt vor zwölf Jahren aufgeführt hatte, werden zwei neue Stücke ins Programm aufgenommen.

Im Fokus jedoch steht „Der Rabbi von Bacharach“. Erneut spielt das Stück am originalen Schauplatz der Erzählung von Heinrich Heine und dürfte gerade deshalb auch Leute aus Frankfurt dazu bewegen, das Obere Mittelrheintal zu besuchen. Das Theater Willy Praml hat das Stück zum ersten Mal 2013 in der Judengasse in Frankfurt gespielt. Mit Kopfhörern ausgestattet, wurde den Zuschauern die Geschichte an den mittlerweile vielbefahrenen Straße an Stelle der früheren historischen Schauplätze vorgeführt. Damals kamen Besucher aus Bacharach nach Frankfurt, um sich das Stück anzusehen.

Willy Praml: Erster Durchlauf des Festivals "An den Ufern der Poesie" entstand 2015

„So entstand der Kontakt“, erzählt Willy Praml bei einem Gespräch mit der FR in der Frankfurter Naxoshalle, der Spielstätte seines Theaters. „Daraufhin besuchten wir die Stadt Bacharach, und es entstand der Gedanke, die Inszenierung aus Frankfurt dorthin, zum originalen Schauplatz, zu verlegen.“

Das Mittelrheinfestival „An den Ufern der Poesie“,das Mittelrheinfestival, zeig t vom 10. August bis 1. September Theaterstücke an Spielstätten in Bacharach, Oberwesel, Lorch, Niederheimbach und Kaub.

Die Leitunghat das Frankfurter Theater Willy Praml, weitere Inszenierungen kommen vom Freien Schauspiel Ensemble Frankfurt sowie von der Fliegenden Volksbühne Frankfurt.

Kartenfür „Der Rabbi von Bacharach“ kosten 25 Euro, ermäßigt 12 Euro. Alle anderen Vorstellungen kosten 19,50 Euro, ermäßigt 10 Euro. Tickets gibt es unter Telefon 0 67 43/91 93 03, www.ticket-regional.de oder www.rhein-nahe-touristik.de

Programmund mehr: www.mittelrheinfestival-poesie.com

Der erste Durchlauf des Festivals entstand 2015. Viele Frankfurter besuchten das Städtchen am Rhein, um sich das Stück anzusehen. Im Jahr 2017 kommen zwei weitere Schauplätze ins Programm: Lorch und Oberwesel. Dieses Jahr sind es mit Kaub und Niederheimbach fünf Städte, in denen das Theaterfestival ausgetragen wird. In Lorch wird am zweiten Programmtag der Märchenroman „Der goldne Topf“ von E.T.A. Hoffmann von Darsteller Michael Quast erzählt, begleitet wird er dabei von Bruno Kliegl, einem der wenigen Glasharmonikaspieler Europas. Mit „Kein Ort. Nirgends“, geschrieben von der einflussreichen DDR-Schriftstellerin Christa Wolf und inszeniert von Reinhard Hinzpeter, Chef des Freien Schauspiel-Ensembles Frankfurt, wird das Festival auf insgesamt fünf Stücke erweitert. Doch es steht noch mehr auf dem Programm.

Willy Praml diskutiert über Romantik

Beispielsweise die Debatte „Glotzt nicht so romantisch!“, bei der Willy Praml mit Gästen wie Jürgen Hardeck vom Kultursommer Rheinland-Pfalz, Konrad Heumann vom Deutschen Romantik-Museum Frankfurt und dem Kulturpolitikforscher Wolfgang Schneider über die Frage der Romantik als Selbstbeschreibung der Welterbe-Region diskutiert. Es moderiert der Kulturwissenschaftler Dieter Kramer.

Musikfans dürfen sich auf Honeypain freuen: Eine interessante Mischung aus dem Gesang des Heinrich-Heine-Chors aus Frankfurt, dem Bass und der Loopmaschine von Gregor Praml und der Rezitation von Marcus Plath. Am letzten Programmtag steht die Premiere der Bacchanale in der Hauptstraße von Bacharach an; ein Fest, das Leben in die Stadt bringen soll. Willy Praml erklärt den Hintergedanken des Festes: „Das Problem der kleinen Städte am Rhein ist, dass sie nur in den Monaten mit Tourismus so aussehen, als wären sie bevölkert. Danach ist alles leer, die Geschäfte sind zu. Man kann dort nicht mal essen gehen, weil kein Wirtshaus offen hat.“

"An den Ufern der Poesie" soll sich alle zwei Jahre wiederholen

Die Bacchanale soll die Straßen wieder füllen. Echte und „gefälschte“ Flussanwohner erzählen Geschichten in Imbissbuden, Friseurläden, Höfen und Wohnzimmern. Chöre werden singen, und es wird getanzt. Kurz gesagt: Es soll ein Fest werden.

Das Theaterfestival soll sich künftig alle zwei Jahre wiederholen und immer neue Themen aufgreifen. „Wir würden es gerne europäisieren“, sagt Praml. Da die Rheinromantik eine epochale europäische Erscheinung ist, ist es für den Theatermacher durchaus denkbar, in Zukunft Gäste aus Ost- und Westeuropa auftreten zu lassen und ihnen die Möglichkeit zu geben, mit ihrer Sicht auf die Rheinromantik und mit ihren Mitteln des Theater zu spielen. „Das ist aber noch Zukunftsmusik.“

red

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