"Franciscas Männer"

Sie will sich nicht mehr binden

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Premiere in der Komödie Frankfurt; "Franciscas Männer" heißt das Stück von Gene Stone und John Graham; "The Pomeroy Plan" im Original.

Es gibt ja solche Abende, an denen es ziemlich unwichtig ist, was auf der Bühne gespielt wird. Da geht es nur darum, wer auf der Bühne steht. Also, Premiere in der Komödie Frankfurt; „Franciscas Männer“ heißt das Stück von Gene Stone und John Graham; „The Pomeroy Plan“ im Original.

Und dann kommt sie aus dem Schlafzimmer auf die Bühne mit ihrem verwuschelten Lockenkopf: Anja Kruse. Eine der Serienikonen der 80er- und frühen 90er-Jahre. Als Kindermädchen Claudia in der „Schwarzwaldklinik“ verdrehte sie Udo Brinkmann alias Sascha Hehn den Kopf und starb dann dramatisch an einer Leukämieerkrankung. Als Dr. Angelika Rombach in „Forsthaus Falkenau“ musste sie zunächst Förster Martin Rombach einen Sohn schenken und ihn anschließend zum Witwer machen, indem sie vom Pferd fiel. Eine Kette tragischer Ereignisse.

Und nun, in Frankfurt? Geht es ihr schlecht. Ein heftiger Kater. Am Abend zuvor war sie, also Francisca, auf Kneipentour. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Susie (Olivia Silhavy). Von dort hat Francisca sich einen Mann mit nach Hause genommen: Arthur (Ralf Stech).

Der liegt noch nebenan im Bett, und für Francisca ist das schon ein doofes Gefühl, weil sie das nicht so kennt mit dem außerehelichen Beischlaf. Bis vor kurzem war sie noch verheiratet, hat ihrem Mann 27 Jahre lang den Haushalt und ansonsten ein trostloses Leben geführt. Nun ist er weg, Scheidung. Und Francisca hat einen Plan gefasst, den Pomeroy Plan eben: Sie will sich nicht mehr binden, sondern stattdessen innerhalb kurzer Zeit mit zehn Männern Sex haben.

Das ist die ganze Handlung, mehr ist nicht. Ein Wahnsinnseinfall. Geradezu naturgemäß stellt sich dann heraus, dass Arthur bereits der Richtige ist, emotional und überhaupt. Aber das darf Francisca sich nicht eingestehen. Und so wird viel geredet auf der Bühne und lamentiert. Fehlgeschlagene Lebensgeschichten kommen auf den Tisch. Anja Kruse gibt die großäugige Naivität, das kann sie, Olivia Silhavy imponiert mit ihrer unglaublichen Reibeisenstimme; Ralf Stech gibt den selbstbewussten Eroberer. Der Haken an der Sache: All das ist nicht so wahnsinnig lustig. Es gibt kaum Überraschungen, wenige Pointen. Das liegt nicht an den Schauspielern, nicht an Pia Hänggis Regie, sondern einzig und allein am Stück selbst. Das allerdings ändert sich markant im zweiten Teil. Da kommen mit dem wunderbar offenherzigen Schotten Duncan (stark wie stets: Stefan Schneider, dieses Mal in einem ungeheuerlich coolen Anzug) Rasanz und Situationskomik in die Sache. Duncan soll die Nr. 2 auf Franciscas Liste werden. Das dass nichts wird, ist von Beginn an klar, wie es allerdings nichts wird, ist sehenswert.

Am Ende wird dann Erich Frieds „Was es ist“ bemüht. Eine Allzweckwaffe. Die gute Nachricht für alle Fans von Anja Kruse: Diese Rolle wird sie ausnahmsweise überleben.

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