Das Salzkammergut ist auch berühmt für seine Regenhäufigkeit: Sabine Fischmann und Michael Quast, beschirmt.
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Das Salzkammergut ist auch berühmt für seine Regenhäufigkeit: Sabine Fischmann und Michael Quast, beschirmt.

"Im Weißen Rössl"

Wenn die Regentropfen ploppen

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Singen, spielen, blödeln, hexen: Sabine Fischmann, Michael Quast, Rhodri Britton mit dem "Im Weißen Rössl" in der Oper Frankfurt.

Drei Menschen, die alles, na ja, fast alles können, sind genug, um Ralph Benatzkys personen- und gassenhauerreiche Operette „Im Weißen Rössl“ nicht nur ohne Verlust, sondern sogar mit einem Zugewinn an Witz aufzuführen. Und es braucht noch nicht einmal einen Peter Alexander mit seinem treuherzigen Augenaufschlag; treuherzig ist vielleicht das Einzige, das Michael Quast nicht kann.

Nach einem immens erfolgreichen „Don Giovanni à trois“ (2006) und einer entsprechenden „Fledermaus“ und „Carmen“ haben sich der Schauspieler, Regisseur, Fliegende-Volksbühne-Chef Quast, die Chansonsängerin, Musikerin, Komödiantin Sabine Fischmann, der Dirigent und Pianist Rhodri Britton zum „Weißen Rössl à trois“ zusammengetan. Sarah Groß führte Regie. Alan Barnes choreografierte unter anderem einen lustigen kleinen Walzer für zwei Oberkörper und vier Arme, denn die beiden Protagonisten sitzen dabei hinter dem Tisch, der mit rot-weiß-karierter Decke, Bierhumpen, Kuhglocken in die richtige Weltgegend (Salzkammergut) weist. Vorn auf der Bühne der Frankfurter Oper (wo die Produktion jetzt gastierte) stand neben dem Tisch noch Brittons Flügel, das war’s.

Fischmann, fesch im Dirndl, ist die resolute Wirtin Josepha, ist eine – vor Wonne, vor Liebe! – schielende Giesecke-Tochter (der mit der Trikotage-Fabrik), ist ein reizend lispelndes Klärchen und auch noch „bitte sehr, bitte gleich“-Piccolo Franzl, der sich dauernd - für nix!, der Arme - Watschn einfängt. Fischmann jodelt absolut professionell und spielt außerdem Hackbrett, Melodica, Blockflöte, auch mal vierhändig Klavier mit Rhodri Britton.

Michael Quast ist Kellner Leopold, außerdem ein berlinernder Giesecke, ein sächselnder Professor Hinzelmann, ein die bekannten Texte trocken am Pult vortragender Dr. Siedler (der Jurist hat sich in die Produktion und die Tenorrolle eingeklagt, obwohl er nicht singen kann, Skandal), Quast ist auch und natürlich ein schöner Sigismund. Bei Bedarf greift er zur Geige, trommelt und rasselt, bei Bedarf gibt er – akustisch, versteht sich – das Huhn, den Hahn, die Kuh, den Hund. Keinesfalls darf man vergessen, dass er auch für einen majestätischen Auftritt sorgt: Als Puppenspieler, denn der Kaiser tritt hier als wuschelbärtige Handpuppe aus dem Koffer auf. Britton schließlich ist das so feste wie flexible musikalische Fundament des Ganzen.

Alle bekannten Lieder werden selbstverständlich zu Gehör gebracht – mehr oder weniger und zwischendurch auch mal im Country-Stil. Leopold krabbelt – „Es muss was Wunderbares sein“ – fast über die Rampe, rückt jedenfalls Damen in der ersten Reihe nahe (oh ja, es wird auch geblödelt, was das Zeug hält). Das Publikum darf, und das in der Frankfurter Oper!, mitklatschen und mitsingen – und erweist sich als ziemlich textsicher, was nicht wirklich eine Überraschung ist. Schließlich geht man ins „Weiße Rössl à trois“, weil man das „Weiße Rössl“ (den Film) schon gefühlte 93 Mal gesehen hat. Und Spaß daran hatte, inklusive Peter Alexanders treuherzigem Augenaufschlag.

Der größere Spaß aber, so behaupten wir, ist dieser flotte Dreier. Die beiden Darsteller haben ein rasantes Mundwerk, eine schnelle Mimik und sie schlüpfen fixer in eine neue Rolle, als man „Huch“ sagen kann. Sie sind sich nicht einmal zu schade, ploppend und platschend den berüchtigten Salzkammergut-Regen zu geben. Keine Rolle ist ihnen zu klein. Der Pianist schließlich ist stets geschmeidig, auch fetzig dabei. Und er weiß, obwohl Brite, Gamsbart und Lederhose souverän zu tragen.

Nächste Termine: 2. Juli, Wetzlarer Festspiele. 7. Juli, Burgfestspiele Dreieichenhain. 22. August, Rheingau Musik Festival, Schloss Johannisberg.

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