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"Strangers on a Train", jetzt im English Theatre Frankfurt zu sehen.
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"Strangers on a Train", jetzt im English Theatre Frankfurt zu sehen.

English Theatre Frankfurt

Wenn die Psyche zurückschlägt

  • Peter Rutkowski
    VonPeter Rutkowski
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Das Frankfurter English Theatre präsentiert eine bösartig gute Retro-Inszenierung von „Strangers on a Train“.

Ein Klassiker. Ein Dokument seiner Zeit und Teil des kulturellen Kanons in Sachen Film und Suspense. Wie soll man so etwas auf eine Bühne bringen? Theater zu Kino? Leicht. Kino zu Theater? Geht. Kino einer vergessenen Epoche zu Theater heute? Hm.

Gleich vorweg: Dem English Theatre in Frankfurt ist das rundherum gelungen. Und zwar noch bevor die Bühnenfassung von Patricia Highsmiths „Strangers on a Train“ (und Alfred Hitchcocks für die Filmversion) beginnt.

Es bedarf dazu: Theater, Bühne, Bühnenbild, Einlasslicht und Musik. In diesem Fall ist die Musik urban entspannter Jazz aus jener Nicht-Epoche zwischen Bigband und Cool. Das Bühnenbild zeigt stilisierte Kassetten-Fassaden und -Säulen, irgendwie wie Grand Central und Fifth oder Madison. Das Licht schafft messerscharfe Kontraste und diffundiert gleichzeitig (dank liberalem Einsatz von Trockeneis) zu einer Erinnerung an jene ätherischen Reiseplakate für lange Bahnlinien und große Schiffsreisen, als Tourismus auch wie Abenteuer buchstabiert werden konnte.

Atmosphäre pur also, aber so subtil, dass ein gutes Stück an Überzeugungsarbeit für „Strangers“ sich erfolgreich erledigt hat, bevor noch die „Fremden“ einander im Zug begegnen und das mörderische Spiel Gestalt annimmt.

Zur Erinnerung: Braver Architekt trifft auf kindisch-hysterische alkoholkranke Dandy-Tunte. Tunte verführt Hetero zu einem Gedankenspiel. „Ermordest du meinen Vater, ermorde ich deine Frau. Keiner kann uns was beweisen, weil wir kein Motiv hatten.“

Clever, aber beim perfekten Verbrechen wird ja die Rechnung ohne den Wirt, also die Psyche gemacht. So wird am Ende der Böse bestraft und der Gute kommt davon. Bloß ist der Gute nicht mehr wirklich gut…

Bis dahin entwickelt die Inszenierung von Regisseur Tom Littler die sich an ihrer Bösartigkeit zusehends berauschende Erzählung (Highsmiths größte Qualität wie ihr größtes Manko) in einer großartigen optischen Opulenz. Designer Bob Bailey gebührt extra viel Applaus für seine Stilsicherheit; ein gewisser Verdacht in Richtung „Mad Men“-TV-Serie tut der Produktion auch ein Gutes. Am eigentümlichsten erscheint die schauspielerische Leistung des fein aufeinander abgestimmten Ensembles.

Gezwungen zurückhaltend?

Fast gezwungen zurückhaltend erscheint sie. Allerhöchstens solide. Aber das ist ein Missverständnis und liegt in James Sheldons überlebensgroßen Interpretation des mordgierigen Dandy-Monsters begründet. Aber auch diese Kritik ist falsch. Das liegt am Retro-Faktor.

Oder anders gesagt: Die aus der gesellschaftlichen Repression geborene, hysterisch übertriebene Selbstdarstellung des Homosexuellen drückt die korrekt restringierten anderen Darstellungen schlicht von der Bühne.

Ein Fehler? Nein. These: Die psychischen Verführer Highsmith und Hitchcock machten sich einen Spaß, uns zu gedanklichen Komplizen des Verbrechens zu machen. Dadurch, dass das Monster dieser „Strangers“ so sehr die Bühne beherrscht, sehen wir unweigerlich die Welt aus seiner Sicht. Perfide. Und gut.

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