Wer hat Fridolin Sandmeyer bloß so angezogen?
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Wer hat Fridolin Sandmeyer bloß so angezogen?

Schauspiel Frankfurt

„Weg zum Glück“ im Schauspiel: Der Teufelskerl, der in ihm steckt

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Fridolin Sandmeyer begibt sich in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt auf Ingrid Lausunds „Weg zum Glück“.

Der Weg zum Glück ist auch wieder bloß das Hin und Her, aus dem das Leben besteht, erst recht das Leben auf der Bühne: Man muss auf Zack sein und ständig in Bewegung, aber faktisch kommt man nicht weit oder nur in irgendeinem übertragenem Sinne. Dorothea Lütke Wöstmann lässt ein Quadrat beleuchten, dessen bescheidene Umgrenzung Fridolin Sandmeyer vorerst abschreiten darf. Schauspielerkollege Stefan Graf führte Regie, an der Seite sitzt Cindy Weinhold, macht bei Bedarf Musik und starrt Sandmeyer so unverwandt an, dass der sich mit Fug und Recht einsam fühlen kann.

Sandmeyer ist unter Druck, obwohl ihm keiner etwas Böses will. Die Autorin Ingrid Lausund hat mit ihrem „Weg zum Glück“-Monolog klar erkannt, dass Verzagtheit, Unruhe und das verfluchte Gefühl von Unzulänglichkeit wenig oder keinen äußeren Anlass benötigen. Er weiß einfach nicht, was er hier soll, erzählt zur Auflockerung ein paar Witze. Kommen hundert D-Mark zum Psychotherapeuten, weil sie sich so wertlos fühlen. Der Psychotherapeut spricht ihm Mut zu, weiß bloß nicht, wie der Geldschein die Sitzung bezahlen soll.

Auch der irrwitzige Stimmungswechsel, der Sandmeyer überwältigen wird, kommt ganz aus ihm selbst heraus, eine Art manische Phase, die zuerst wahnsinnig toll ist, aber dann ein wahnsinniger Mist. Aus dem flüchtig Herumhuschenden wird ein offensiver Teufelskerl und Glückspilz, der allerdings auch sofort anfängt, wahnsinnig viel Geld auszugeben. Der offensive Teufelskerl ist auch gar nicht wirklich er, er steckt bloß in ihm, aber was heißt hier: bloß. Es ist auf Dauer eine Katastrophe, wenn ein Teufelskerl in einem steckt. Schon hat er ein sauteures Hotelzimmer ganz in der Nähe seiner Wohnung gemietet, schon bandelt er mit einer Prostituierten an.

Hingabe ist im Theater ein unwiderstehliches Kriterium, und Sandmeyer gibt sich der Situation und ihrer (also seiner) rigorosen Veränderung mit einer inniglichen, etwas kindlichen, aber nicht albernen Hingabe hin. Dass er sich zuerst im ganz gewiss nicht von ihm (sondern von Mareike Wehrmann) ausgesuchten Leopardenmusterjackett unbehaglich fühlt – „wer hat mich so angezogen?“ –, während der manischen Phase aber in sportlicher roter Unterhose pudelwohl, demonstriert er mit Selbstironie, aber nicht grell oder übermäßig komödiantisch. Es ist, wie es ist: seltsam; nicht ideal. Er habe sich das auch anders vorgestellt, sagt er zu seinem Publikum. Da dieses wieder zu 25. in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt sitzt, hat es eine klare, zumindest eine persönliche Vorstellung davon, was er meint.

Dreimal war „Der Weg zum Glück“, eine Stunde lang, am Wochenende zu sehen, am Samstag mit Nachmittags- und Abendvorstellung. Das könnte vorerst eine Variante sein, auch nach der Sommerpause. Am Donnerstag stellt Intendant Anselm Weber seine Pläne für die nächste Saison vor.

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