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Nixe mit ausdrucksstarkem Sopran.

Dvoráks „Rusalka“

Das Wasserwesen in dieser Welt

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Ein Zwischenreich in starken Bildern: Dvoráks „Rusalka“ am Staatstheater Darmstadt.

Hei-ja he, Vollmond steht überm See“ – mit einem verschmitzten Wagner-Zitat entführen uns drei Elfen in einen Zauberwald. Wesen aus der Zwischenwelt tanzen am Weiher, Geister, mit denen unsere Vorfahren sich umgeben sahen. Ein „lyrisches Märchen“ nannte Antonín Dvorák seine am 31. März 1901 in Prag uraufgeführte „Rusalka“ und es sollte die meistgespielte seiner zehn Opern werden. Librettist Jaroslav Kvapil verknüpfte hier Motive des böhmischen Märchenforschers Karel Jaromir Erben mit den romantischen Erzählungen von Medusen und Meerweibchen – eine Fantasie ganz im Duktus der vorigen Jahrhundertwende. Die dennoch genug Substanz liefert für ein zeitloses Spiel.

Zuhause ist die junge Rusalka an einem Waldsee mit schimmernden Ufern, von Beginn an leitet eine starke Lichtregie (Nico Göckel) unseren Blick. Mit Katharina Persicke wurde eine Bilderbuch-Rusalka gefunden. Vom verspielten Wasserwesen, das von einem jungen Prinzen träumt, verwandelt sie sich in eine starke junge Frau, die mutige Entscheidungen trifft – unerschrocken ob der Folgen. Für ein Leben unter den Menschen gibt die Nixe alles auf. Schon den Gestaltwandel bezahlt sie mit dem Verlust der Stimme, beim Scheitern ihrer Liebe droht ewige Verdammnis. Nach dem betörenden „Lied an den Mond“ verstummt ihr ausdrucksstarker Sopran für 1430 Takte und die Harfe übernimmt ihren Part.

Luise Kautz zeigt uns in ihrer Darmstädter Inszenierung eine geheimnisvolle Zwischenwelt in starken Bildern. Die so populäre Oper kommt keineswegs folkloristisch daher, gibt aber mit feinen Details einen Hinweis auf ihre Abkunft aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Lani Tran-Duc hat der Märchenoper ein überaus karges, von Licht und Schatten dominiertes Bühnenbild gebaut, das, von dichten Nebeln umwallt, ein wenig an die düsteren Bilder eines Arnold Böcklin erinnert. Mit feinem Gespür spielt man in Akt zwei und drei mit dem Medusen-Motiv, Simon Janssen zitiert in seiner Video-Ästhetik frühe Stummfilmbilder. So geheimnisvoll diese Szenen auf den Betrachter wirken mögen, die Sicht auf die handelnden Personen ist heutig und nüchtern. Schräg und ein wenig verspielt hat Hannah Barbara Bachmann die Akteure eingekleidet.

Gesungen wird, und das ist schade, in Deutsch, am Pult aber steht mit Daniel Cohen ein Dirigent, der mit sicherem Gespür für Dvoráks Musik den Zauberwald in einen böhmischen Hain verwandelt. Das Orchester agiert zuweilen sehr herzhaft, aber auch ungemein zart in den lyrischen Passagen. Sängerisch überzeugend allen voran der Wassermann, den Johannes Seokhoon Moon mit Furor gibt und mit wunderbar geschmeidiger, tiefer Stimme. Schriller die Klänge der Hexe (Elisabeth Hornung) und ganz eigen – eben nicht von dieser Welt – das Spiel der Elfen.

Nicht minder stark gezeichnet sind die Protagonisten der Menschenwelt – der tumbe Wildhüter etwa, der in einer grässlichen Szene einen Schwan erschlägt, die in aufgeregtem Tun sich um sich selbst drehende Hochzeitsgesellschaft und, mit höhnischer Noblesse, die „fremde Fürstin“ (in einer nun wirklich kleinen Rolle: Katrin Gerstenberger). Ein wenig konturlos bleibt der schöne Jüngling, der all den Furor erst in Bewegung gesetzt hat, Thorsten Büttner singt und spielt den Prinzen mit weichem Tenor und bleibt blass – im Guten wie im Bösen.

Staatstheater Darmstadt: 30. März, 4., 12. und 18. April, 10. Mai, 8. und 16. Juni. www.staatstheater-darmstadt.de

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