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Schauspiel Frankfurt

„Was tun!“-Debatte zu Rassismus: Wodurch verändert sich etwas?

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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„Was tun!“, eine Diskussion am Schauspiel Frankfurt über Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung.

Die Kabarettistin Idil Baydar erzählt, sie fordere ihr Publikum manchmal dazu auf, fünf positive Dinge zu nennen, die sie mit der türkischen Kultur, der türkischen Wissenschaft oder Geschichte verbinden. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, findet das unglücklich, das sei sozusagen der falsche Film, denn es gehe ja gerade darum, Vorstellungen von anderen zu dekonstruieren.

Beide haben aber recht. Idil Baydar will vorführen, dass die, die gebildet und eingebildet auf ihr Gegenüber blicken, vermutlich weder wissen, wer Yasar Kemal war, noch wofür Aziz Sancar den Nobelpreis erhalten hat. Und stand nicht Überraschung in vielen Gesichtern, als das Mainzer Unternehmen Biontech ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte und entsprechend die Fotos von Ugur Sahin und Özlem Türeci überall zu sehen waren?

Mendel hingegen erklärt: Juden bekämen viele Komplimente, aber das helfe ihnen nichts. Auch wird er während des Gesprächs unversehens zum „weißen Mann“.

Bei der Podiumsdiskussion „Was tun!“ treffen also Diskussionen über Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung, Ausgrenzung aufeinander, die oft voneinander getrennt besprochen werden. Aber so ist es interessanter, denn Meron Mendel zum Beispiel ist durchaus nicht der Meinung, dass das „N-Wort“ nicht einmal zu Zitatzwecken fallen darf, ohne zu Sanktionen gegen den Sprecher (den Zitierenden) zu führen.

„Sie sprechen gut deutsch“

Und als die Studentin, Aktivistin und jetzt für die SPD ins Offenbacher Stadtparlament gewählte Hibba Kauser erklärt, bestimmte Diskussionen führe sie einfach nicht mehr, sagt Mendel: Gerade als Politikerin müsse sie dazu aber doch bereit sein. Sie sei es jedoch leid, so Kauser, sich ständig erklären zu müssen („Sie sprechen gut deutsch“). Es gebe so viele Möglichkeiten, sich zu informieren, sagt Kauser, die noch mitten im Rollenwechsel ist. Dass der Offenbacher Koalitionsvertrag die Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle vorsieht, sei ein wichtiges Signal. Jetzt könne man sagen: Ihr habt euch festgelegt, erklärt Hibba Kauser und verbessert sich: „Wir haben uns festgelegt.“

Antidiskriminierungsstellen, hier vertreten durch Uta George vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten in Frankfurt, seien ein Pflaster, keine Heilung, sagt Baydar. Eingesetzt werden müsse viel früher, so Mendel.

Denn das wogende Gespräch ist deshalb interessant, weil zugleich tiefe Einigkeit im Raum liegt (und Leon Joskowitz ein ausgleichender, aber nicht wegredender Moderator ist). Das Schauspiel Frankfurt hat für Sonntagvormittag zum „Was tun!“-Stream eingeladen, um danach auch mit Theater und Musik den Antisemitismus- und Rassismus-Schwerpunkt der Spielzeit abzuschließen.

Was zu tun ist, klärt sich natürlich nicht. Baydar gibt als Losung aus, grundsätzlich auf Wertschätzung des Anderen zu setzen. Kauser erinnert daran, dass schon viel passiert sei. Allerdings sei das nicht von der Mehrheitsgesellschaft ausgegangen, sondern von Aktivistinnen und Aktivisten. „Nur weil wir laut werden, tut sich etwas.“

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