+
HipHop im Mousonturm.

Mousonturm

„Wagner Project: A School of HipHop“ in Frankfurt: Schule aus, hops!, nach Haus’

  • schließen

Akira Takayamas „Wagner Project: A School of HipHop“ erlebt sein Finale im Mousonturm Frankfurt.

Zehn Tage HipHop-Rapper-Schule also, am Ende aber stört, bohrt, knirscht die Frage: Was war das nun? Klingt ratlos, also hilft vielleicht der Leuchtspruch „The future will be confusing“, die Zukunft wird verwirrend sein, außen am Backstein-Mousonturm weiter. Den zerlegt es im Foyer ins Lettern-Puzzle zum Selberscrabbeln, die Botschaft: Schau hin, dring durch, bastel dir die Antwort, die du brauchst. Kein Wunder, dass der kritische Zuschauer, der dem Mousonturm-Intendanten Matthias Pees am Schluss seine Verwirrung beichtete, wie und was um Himmels willen er über all das schreiben könne, Pees nur frohlocken ließ. Um kreative Verwirrung gehe es doch im Theater!

War es das: „Theater“? Eine Frage der Perspektive. Einerseits kein bisschen. Die junge HipHop-Szene der Rhyme-Bastler sieht sich nicht so und sah und nutzte als „Wagner-Crew“ einfach die Chance, zehn Tage lang von Meistern zu lernen, Gemeinschaft zu erleben, einander zu helfen und individuelles Können zu zeigen, egal was Takayama von Richard Wagners „Gesamtkunstwerk“ her im Sinn hat. Zu erleben, wie der von Jury-Mitglied Takayama ausgewählte Rapper Tetraphobik, den er so schüchtern und herausstechend fand, in der Schluss-Show seine lila Maske abnahm, bot nur eines von vielen Beispielen für hoffnungsfrohe Entwicklungen im Ergebnis des „Wagner Project“. Auch wenn Tetraphobiks Rapper-Publikum auf seine Ansage „Wollt ihr einen sexistischen Rap hören?!“ hin nicht gleich zur gewollten Antwort fand.

Oft mehr Schweiß als Genie

Obwohl sich junge Rapper seit Jahrzehnten vor aller Rapper-Augen auf Show-offs und Battle-Rituale verstehen und in einer globalen Theatralik variabler Patterns, Module und Stereotype schwelgen, die vom Äußeren über Gestik und Verhalten bis zur musikalischen Substanz reichen, ignorieren sie das Theater eher und reden, als wär’s das Gegenteil, nur von Authentizität und Echtheit. Wie es sich vereinbart, dass sie fast alles aus Fundstücken montieren und sich dabei frei und originell fühlen wie nie sonst, zählt zu den Rätseln des Universums. Es hat etwas Magisches, wie der blutjunge Rapper sich oft mit mehr Schweiß als Genie ein paar bleierne Verse ableiert und darauf vertraut, der Zauberspruch „DJ, gib mir’n Beat, ey-ahh“ werde seine Worte wie durch Zauberstab mit der Musik zu etwas Mitreißendem verschmelzen, das seinen Aufstieg in Rang und Ansehen bewirkt und ihn für alle Welt zum Idol erhebt. Eine Generation träumt: von Rap und Ruhm.

Und wieder: das Theater – für Takayama. Wie der Theaterkünstler sagt, will sein „Wagner Project“ nicht großzügig kulturferne Rapper an den Busen der Hochkultur ziehen, damit sie mal was Vernünftiges lernen. Lernen müsse das Theater vom HipHop. Der sei ein Gesamtkunstwerk, das auch funktioniert, da es seit Jahrzehnten eine Generation nach der andern in Kultur-Wut versetzt und echte Gemeinschaft schafft, wo Kulturexperten gar keine Kultur vermuten. Daher das existentielle Pathos rund ums Rapper-Sein, das vom Audition-Tag an bei vielen Teilnehmern anklang, als wär’s der Schlüssel zum Himmelreich, oder eine Nummer kleiner: einem unentfremdeten, glückhaften Dasein. Mal sehen, wie es weitergeht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion