Sächsische Staatskapelle

Während der glücklichen Zeit

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Die Sächsische Staatskapelle und Frank Peter Zimmermann jubeln und bestricken in der Alten Oper.

Patriotisch begann das Gastspiel der Sächsischen Staatskapelle in Frankfurts Alter Oper mit einer „Jubel-Ouvertüre“ auf einen der einstigen Herrscher der Sachsen, König Friedrich August I. Der konnte 1818 sein 50-jähriges Thronjubiläum feiern, und Carl Maria von Weber wollte dem Fest mit einem Werk, das seine Funktion schon im Titel zeigt, auf die Sprünge helfen. Unter der Leitung von Christian Thielemann flotte, ein wenig einfältig wirbelnde zehn Minuten, die zuletzt in die alte, und in England bis heute gesungene Hymne auf die gekrönten Häupter in Europa strahlend einmündete: „God save the King“ alias „Heil Dir im Siegerkranz“.

Ein pastoser Auftakt, dem ein hessischem Patriotismus schmeichelndes Werk folgte, das Felix Mendelssohn Bartholdy während seiner glücklichen Zeit in Bad Soden komponierte: sein Violinkonzert in e-Moll. Hier war Frank Peter Zimmermann der Solist und legte ein lapidares, phasenweise fast abgebrüht pauschales Spiel vor. Gleichzeitig goutierte der Ausnahmegeiger viele glissandierende Tonübergänge, die mit ihrem anschleifenden Gestus so etwas wie Druckstellenkontrapunkt im sich abhaspelnden Klangfaden darstellten.

Im Finale kam Zimmermann dermaßen in Fahrt, dass sich fast Schieflagen zum Orchestertutti auftaten. Gleichwohl ein reizvoller Ansatz, der das Virtuosenkonzert à la Paganini mit romantischer Klassizität verschmolz. Dabei ein Können offenbarend, das Tempo nicht nutzt, um schnell über haarige Stellen hinwegzukommen, sondern diese erst richtig und als perfekt frisierte zur Geltung bringt.

Nach der Pause zeigte die Aufführung der 4. Sinfonie Robert Schumanns perfekte imterpretatorische Einheit. Besonders im Kopfsatz ging man ganz ab von der Erfüllung des Sonatenhauptsatzstandards und zeigte eher dessen leere Hülle, angefüllt mit sich ablösenden Charakteren und Idiomen, die zwar eine durchführungsartige Spannung und Bewegtheit zu repäsentieren schienen, aber eigentlich ein Album vieler Klanggesten, -figuren und -bilder darstellten. Das gelang durch Tempo-Variabilität, die die aufeinander gezogenen Abschnitte wie eine klingende Aphorismensammlung wirken ließ. Dabei doch ganz direkt im Ton, extravertiert, ohne festgezurrte Dynamik. Es war viel Beweglichkeit, Luftigkeit in der Gestaltenfülle. Freies Spiel im kollektiven Sinfonieklang – vielleicht dies die romantische Transformierung des traditionellen Durchführungskonflikts. Bestrickend war die Zugabe der von Weberschen „Oberon“-Ouvertüre. Gewichtig, zart, dunkel, aufbrausend und der Versuchung des gerne betriebenen rhythmischen Trimmens abhold.

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