Komödie Frankfurt

Vorsicht Goldfisch

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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„Bleib doch zum Frühstück“ in der Frankfurter Komödie.

Was ist der erste Gedanke angesichts einer hochschwangeren jungen Frau, die einfach an einer Wohnungstür klingelt und sich, kein Wortspiel beabsichtigt, in der fremden Wohnung sogleich breitmacht? Dass so etwas gegen die Corona-Bestimmungen und zudem gefährlich ist für Mutter und Kind. Allerdings hat die 1970 uraufgeführte, von Gene Stone und Ray Cooney geschriebene Komödie schon damals auf Wahrscheinlichkeiten gepfiffen: am allerkräftigsten, indem die Autoren Louise, Anfang 20 und Rebellin, und George, Ende 30 und Spießer, zuletzt ein Paar werden lassen.

Vermutlich der überschaubaren Besetzung wegen – Louise (Katarina Schmidt), George (Fabian Goedecke), plus Jimmy (als abgelegter Freund: Serjoscha Ritz) – ist die Frankfurter Komödie jetzt mit „Bleib doch zum Frühstück“ (sagt George alsbald zu Louise) in eine ungewisse Herbstsaison gestartet. 100 Leute dürfe er unterbringen, so Theaterchef Claus Helmer vor Beginn, das decke die Kosten nicht. Und gleich muss er außerdem bitten: „Drücken Sie uns die Daumen“, denn just wurden an diesem Premierenabend die neuen Hotspots und neuen Regeln bekannt.

Das Stückchen um die schwangere junge „Verantwortungslose“ (G. über L.), die den pedantischen „Verklemmten“ (L. über G.) fast um den Verstand bringt, ihn aber oh Wunder zu einem durchaus glücklichen Papa macht, ist einerseits mehr als nur ein bisschen angestaubt. Aber Regisseur Frank-Lorenz Engel sorgt für einen flotten Verlauf (knapp anderthalb Stunden, ohne Pause). Tom Grasshof hat sich eine Bühne ausgedacht, auf der die beiden Darsteller ganz natürlich Abstand halten können, einfach indem George seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Kochen nachgeht. Und das Publikum freut sich am Ende nicht wenig über knallende Abstandsohrfeigen, Abstandsküsse, rosarotes Licht.

Und darf nicht eine Komödie harmlos und furchtbar albern sein, solange sie einem die Corona-Zeit vertreibt? Und den einen oder anderen lustigen Wortwechsel zustande bringt? George hat eine nervige, täglich und sogar noch zum Gutenachtsagen anrufende Schwester. Für sie erfindet er, er ist halt nicht sehr gut in Ausreden, einen Goldfisch, den er sich neu angeschafft habe. Der Goldfisch schnappt.

Fabian Goedecke gibt George als „süße kleine Hausfrau“ (Louise spöttisch) und weichen Kern in weicher Schale. Katarina Schmidt ist eine Louise, die stets sagt, was sie denkt. Und sei es, nach 21 gemeinsamen Tagen: „Ich fühle mich, als ob ich seit Jahren mit dir verheiratet bin“. Das ist schon auch lustig.

Komödie Frankfurt: geplant bis 15. November. www.diekomoedie.de

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