Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Michael Quast. Foto: Monika Müller
+
Michael Quast.

„Sommer im Höfche“

Volksbühne Frankfurt: Von Rachelust und Schönheitsdurst

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
    schließen

Michael Quast und Erika le Roux erwecken Balladen mit „Sex & Crime“ zum Leben

Dir ist mein ganzes Herz geweiht, / So lang ich Odem habe, / Bey meiner Seelen Seligkeit! / Dich lieb’ ich bis zum Grabe“, verspricht ein schöner junger Ritter einer Nonne. Die glaubt ihrem Geliebten, allerdings nur, bis er sie vergisst. Dann sinnt sie auf Rache und lässt ihn ermorden.

Michael Quast dreht, während er das vorträgt, genüsslich schmatzend das Schwert im Körper des Ritters hin und her. Dann untermalt er es mit seinen Füßen, wenn der Geist der Nonne schließlich auf dem Herzen des treulosen Ritters herumtrampelt.

„Sex & Crime“ mit Michael Quast als Balladenerzähler und Erika le Roux am Klavier beginnt also gleich mit Mord, Spuk und Leichenschändung.

Mit den Balladen eröffnet die Volksbühne den „Sommer im Höfche“ in den neu geschaffenen Goethehöfen im Großen Hirschgraben, der noch bis Anfang August Kurzfilme, Lesungen und Musik bietet.

„Die Nonne“ von Ludwig Hölty bietet einen Vorgeschmack auf die abwechslungsreiche Balladen-Auswahl. Die Stücke beinhalten mal mehr Sex, wie im Falle des Freisinger Gymnasiallehrers von Ludwig Thoma – der einen Ausflug nach München macht, um sich über das unzüchtige Treiben aufzuregen, dann aber doch vom „Schönheitsdurst“ ergriffen wird – mal mehr Crime, wie in Friedrich Hebbels „Heideknabe“.

Schillers „Handschuh“ ist dabei und natürlich darf auch der Frankfurter Nachbar Goethe nicht fehlen, wir hören seinen „Totentanz“. Goethe war es auch, der die Ballade als „Urei“ der Poesie bezeichnet hat, weil sie Epik, Dramatik und Lyrik verbinde, wie uns Michael Quast zwischen den Stücken informiert. Mit ihren Themen „verbotene Liebe, Treuebruch, Mord, Leichenschändung, Zombies“, sei sie aber auch eine Art Boulevardpresse gewesen. „Das bringt Auflage!“

Ob traurig oder ironisch – Quast spricht und spielt die Balladen mal stehend, mal sitzend, mit dem ganzen Körper. Als verführter Freisinger Gymnasiallehrer streichelt er das Tischbein, im „Totentanz“ begleitet sein Arm den Glockenschlag „eiiiiiiiiiiins“, der die Geisterstunde beendet.

Die drei Macbeth-Hexen haben sich in Theodor Fontanes „Die Brück’ am Tay“ verabredet, um eine Eisenbahnbrücke einstürzen zu lassen. Mit nur ein paar Handbewegungen und pfeifenden Geräuschen holt Quast alle drei samt Sturm in der schottischen Heide auf die Bühne.

Die Pianistin Erika le Roux begleitet ihn in Melodramen wie dem „traurigen Mönch“ von Nikolaus Lenau, für das Franz Liszt die Begleitung schrieb, am Klavier. Das Unwetter, durch das der Reiter unterwegs ist, der Wald, der sich windet, „wie ein gepeitschtes Kind“, dargestellt durch dunkle Akkorde. Nachdem der Reiter den Geist des traurigen Mönchs gesehen hat, reitet er weiter, begleitet von langsam aufsteigenden Tonreihen. Und schon bevor er schließlich in einen See reitet, kündigen das die hohen Wechselnoten an.

Le Roux spielt präzise, aber zurückhaltend, gerade dadurch greifen Wort und Musik eng ineinander. Zusammen mit Quasts liebevollem, ausgelassenen Spiel ergibt sich ein sehr unterhaltsamer Abend.

Volksbühne Frankfurt: „Sommer im Höfche“, Programm bis 1. August.

volksbuehne.net

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare