Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jubel, weil das zwar olle, aber eigene Haus wartet.
+
Jubel, weil das zwar olle, aber eigene Haus wartet.

"Auerhaus"

Vieles hat noch nicht begonnen

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
    schließen

Auch in Darmstadt erzählt nun ein Stück nach Bov Bjergs erfolgreichem Roman „Auerhaus“ vom Erwachsenwerden.

Als ebenso muntere wie in Maßen tragische Erzählung vom Erwachsenwerden bewährt sich gerade Bov Bjergs Roman „Auerhaus“ auf den Theaterbühnen. Bjerg, der eigentlich Rolf Böttcher heißt, traf darin 2015 den Sound der Achtziger. In der Abiturklasse wird der Sturm und Drang durchgenommen, in der Schüler-WG hört man „The Final Countdown“ von Europe und natürlich den Madness-Hit „Our House“: „Something tells you that you’ve got to get away from it“. In Wiesbaden hat man „Auerhaus“ in der Wartburg eingerichtet, in Darmstadt nun in den Kammerspielen, empfohlen für Zuschauer ab 13. Dort macht das Skript der Regisseurin Nike-Marie Steinbach ein ebenso flott-melancholisches, für manche Altersgruppe sicher auch nostalgisches Stückchen daraus wie Andrea Vilters Bühnenfassung in Wiesbaden.

Beide Inszenierungen beginnen damit, dass Frieder den Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz fällt, doch in Darmstadt wird nur davon erzählt und liegt er nicht ominös den Abend über im Eck. Vielmehr rollt da ein hellblauer Pickup rein, das Angeber-Auto des kiffenden und dealenden Elektrikers Harry, der sich selbst zum regelmäßigen Gast in der Wohngemeinschaft macht.

Gerade ist Frieder noch wegen eines Selbstmordversuchs in der Psychiatrie („Was machstn hier für ne Scheiße?“ fragt ihn Höppner), da stecken sich die jungen Leute auch schon das Auerhaus aus Holzteilen zusammen (Bühne und Kostüme: Susanne Hiller). Frieder soll nach dem Willen der Ärzte bei den Eltern raus, aber nicht allein wohnen – also leisten ihm Höppner, dessen Freundin Vera, Cäcilia aus reichem Haus, Pauline aus der Klapse (sie zündelt) und schließlich auch Harry Gesellschaft. Panik, wenn Frieder nicht planmäßig nach Hause kommt. Doch die Bude ist immerhin sturmfrei, bis gegen Ende der anderthalb Stunden die Polizei Harrys Drogen-Spur folgt.

Bjergs Roman kann mit schlagferig-schnodderigen Wortwechseln dienen, auch mit der Wiedererkennbarkeit von Plänen, Träumen, Rebellionen, Niederlagen in einem bestimmten Alter. Mutproben bestehen darin, im Supermarkt zu klauen. Später braucht Frieder andere Kicks, mit einer (hölzernen) Waffe zielt er auf die Polizei. Simon Mazouri spielt ihn als einen, der still und oft leise lächelnd am Abgrund balanciert.

Florian Federl ist Höppner, der Kumpel, der es gut meint. Und der bei der forschen Vera, Yana Robin la Baume, nur so halb landen kann. Mit Harry, Jonas Gruber, hüpft sie zuerst in die (Auto-)Kiste. Katharina Hintzen ist eine koboldhafte Pauline, Mattea Cavic eine Tochter aus gutem Hause, die schon ihr späteres großbürgerliches Leben ahnen lässt.

Bisweilen ist in „Auerhaus“ das Leben eine ausgelassene Party. (Oh ja, man erinnert sich an WG-Besäufnisse bis zum Morgengrauen.) Doch manche sind, wie Frieder, früh gezeichnet – und können nicht mehr, noch ehe das sehnsüchtig erwartete „richtige Leben mit ziemlich viel Reden“ im Ernst begonnen hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare