1. Startseite
  2. Kultur
  3. Theater

„Viel Lärm um nichts“ in Bad Vilbel: Das verunzierte Fräulein

Erstellt:

Von: Sylvia Staude

Kommentare

Sie glauben (noch), sie seien im Recht: Claudio, Leonato, Don Pedro. Und Benedikt. Foto: Eugen Sommer
Sie glauben (noch), sie seien im Recht: Claudio, Leonato, Don Pedro. Und Benedikt. Foto: Eugen Sommer © EUGE SOMMER

Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen.

Shakespeares „Much Ado About Nothing“, „Viel Lärm um nichts“, sieht man lange nicht so oft auf der Bühne wie seine anderen romantischen Komödien „Was ihr wollt“ und „Wie es euch gefällt“ – um gar nicht zu reden vom „Sommernachtstraum“. Auch den (englischen und deutschen) Zitatschatz hat „Viel Lärm um nichts“ deutlich weniger bereichert. Es fehlt dem Stück an der die anderen Komödien bei aller Leichtigkeit doch auch gewichtig machenden dunklen Grundierung, an einer das muntere Geschehen begleitenden Ahnung, dass die Verwicklungen um ein Haar auch ganz anders, jedenfalls nicht gut ausgehen könnten. Und dass das Herz ein ganz unberechenbarer Muskel ist.

Das bedeutet aber auch, dass nicht viel verloren geht, wenn eine deutsche Fassung das Sprachspielerische, derb Doppeldeutige Shakespeares weiter auf die Spitze treibt. Der britische Übersetzer und Dramaturg Brandon Larch hat „Viel Lärm um nichts“ gestrafft, einige Personen eliminiert, dazu lässt er einen mächtigen Wasserfall an Kalauern, Wortverdrehungen, Lautmalereien, Anzüglichkeiten auf die Publikumsköpfe niederprasseln. Fast, dass man mit dem Hören nicht nachkommt in Passagen wie die des Polizisten (bei Shakespeare: der Wache) Dogberry: „Sir, er hat einen falschen Report verhangen, zweitens die Unwahrheit veräußert, ferner ist seine Amputation äußerst zweifelhaft, und sechstens hat er ein Fräulein verunziert, drittens hat er Unrichtigkeiten verifiziert, und letztens mich einen Arsch genannt.“

Für diese so alberne wie raffinierte, jedenfalls deftige und schnelle Fassung hat sich Milena Paulovics entschieden, die die Komödie jetzt für die Burgfestspiele Bad Vilbel inszenierte. Ja, die schöne Hero muss auch hier in Ohnmacht fallen und dann die Tote spielen, damit es ihren leichtgläubigen (jedoch eben nicht ihrem Wort glaubenden) Claudio ordentlich reut; aber die Gegenintrige beginnt, kaum dass ihr Vater Leonato, Andreas Krämer, sie mit harten Worten gleichsam in die Wüste geschickt hat.

Und schon singt Hero, Virginia V. Hartmann, traurig-weise „Mad World“ von Tears for Fears. Schon bereut Claudio, Mario Neumann, mit Alison Moyets herzschmerztriefendem „Only You“. Um gar nicht zu reden von einem schicken Medley – im Duett: Claudio mit Don Pedro, Steffen Weixler – aus „Ti Amo“, „My Heart Will Go On“ und mehr.

Denn in Bad Vilbel setzt man zwar einerseits auf ein abstraktes Bühnenbild (Ausstattung: Pascale Arndtz), einen lilafarbenen Würfel mit Tür- und Fensteröffnung, dazu mit Blumenmusterschnörkeln, setzt andererseits auf schauspielerische Opulenz bis hin zur choreografierten Rauferei (Annette Bauer) und zu Gesangsnummern. Dazu auf Kostüm-Späßchen, etwa beim shakespeare-typischen Maskenfest: Gans trifft Hai, Fisch den Frosch/die Fröschin u.ä.

Ebenfalls vertraut ist die Konstellation, wonach sich die, die die heftigste Abneigung demonstrieren, insgeheim umso mehr lieben. (Man muss sie nur zu einem Bekenntnis treiben, wenn man es gut mit ihnen meint.) Hier sind das Beatrice, Alice von Lindenau, und Benedikt, Florian Thunemann, in deren Wortduellen die Kugeln nur so fliegen. Wie überhaupt das Timing an diesem Abend tadellos ist, auch der Slapstick scheinbar anstrengungslos auf den Punkt kommt. Vom Publikum in der Wasserburg gibt es immer wieder entzückten Szenenapplaus, dem fidelen Ensemble gönnt man es von Herzen.

Burgfestspiele Bad Vilbel , Wasserburg: Termine bis 28. August. www.kultur-bad-vilbel.de

Auch interessant

Kommentare