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Zodwa Selele als Victoria als Victor, die Victoria spielt. Foto: Andreas Etter
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Zodwa Selele als Victoria als Victor, die Victoria spielt.

Staatstheater Mainz

„Victor/Victoria“ in Mainz: Ist er etwa Wiesbadener?

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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„Victor/Victoria“ als boulevardesker Spaß am Staatstheater Mainz

Psychologie, Erotik und Verklemmtheit sind im Spiel, wenn als Frauen verkleidete Männer und als Männer verkleidete Frauen auf die Bühne kommen. Erstere sorgen meist für helle Aufregung, zweitere sind häufig für originelle Verwirrungen zuständig, bei denen sich Männer zu ihrem eigenen Erstaunen zu „Männern“ hingezogen fühlen können, um dann (erleichtert) festzustellen, dass das alles seine „Richtigkeit“ hatte.

Für Frauen kann es ein gutes Versteck sein, sich als Mann zu verkleiden (zum Lernen: Yentl in „Yentl“, zur unbehelligten Reorientierung in der Welt: Viola in „Was ihr wollt“, zur Kostendämpfung: Zdenka in „Arabella“), wohingegen der als Frau verkleidete Mann häufig erst recht auf dem Präsentierteller steht, selbst wenn Pragmatismus ihn antreibt (in „Tootsie“ oder „Mrs. Doubtfire“). Die Selbstironie der glamourösen Travestie ist selbstgewählt, birgt aber das Risiko in sich, dass jedermann mit einem Handgelenkschlenker eine „Tunte“ imitieren und lächerlich machen kann. Wer lacht über wen und warum, ein weites Feld, das in „Victor/Victoria“ in ein friedliches, freies, gemeinsames Lachen und Jeder-wie-er-jede-wie-sie-Mag mündet.

Dem Film von 1982 ging die Ufa-Produktion „Viktor und Viktoria“ (1933) voraus (eine Frau als „Damenimitator“, Homosexualität kein Thema), es folgte Mitte der 90er Jahre das Broadway Musical von Henry Mancini (Musik) und Blake Edwards (Buch). Mancini starb über der Arbeit, die Frank Wildhorn mit 08/15-Liedern zu Ende brachte, zu einem länglichen Ende. Unter den Mancini-Stücken befinden sich hingegen einige scharfe Swing- und Jazznummern, die Uneinheitlichkeit kann man in der lebhaften musikalischen Umsetzung unter Tjaard Kirsch zumindest als Wundertüte nehmen.

Getanzte Augenweiden

Im Staatstheater Mainz geht Regisseur Erik Petersen es ansonsten boulevardesk leicht an. In den zahlreichen Wiesbaden-Späßchen zum Beispiel ist sozusagen schon Fastnacht oder Silvester, zugleich wird eine Pariser Originalatmosphäre dadurch natürlich gleichmütig unterminiert. Dabei gibt sich die Ausstattung von Kristopher Kempf damit tüchtig Mühe, auch unter den Shownummern zeigen sich Augenweiden.

Das Spiel, der Tanz (Choreografie: Sabine Arthold), der Gesang: klassisches Boulevardmusical mit einem grundsympathischen Ensemble. Eine Bank, die Bank des Abends ist Zodwa Selele als Victoria, die sich in Victor verwandelt und dabei beweist, dass man nur sieht, was man weiß. Den Versuch, sie in einen Mann zu verwandeln, treiben die Mainzer nicht sehr weit. Um sie herum: Michael Dahmen als Toddy, Henner Momann als King Marchan, Beatrice Reece als Norma, Stefan Reil als Squash Bernstein, eine Schar bunter, aber nicht schillernder Vögel, deren gemütlich klischeehafte Darstellung, sagen wir einmal, nicht konterkariert wird. Dass das Musical mit der Figur der Norma vielleicht noch am unlustigsten umgeht, gleicht Reece insofern aus, dass sie sie kurzerhand zum Publikumsliebling macht.

Zugleich ist dieser Abend ein Beispiel dafür, dass der Übergang von der feinen Selbstironie zum derben Schenkelklopfer fließend ist, nein, nicht bloß fließend, sondern zuweilen ganz verschwunden. Das Haus wollte offenbar einen massiven Spaß für viele und hat ihn bekommen.

Staatstheater Mainz: 13., 30. Oktober. www.staatstheater-mainz.com

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