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Maasch (als Pamela Kant) und Alice von Lindenau.
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Maasch (als Pamela Kant) und Alice von Lindenau.

„Vernon Subutex“

„Vernon Subutex“ in der Stalburg: Von der Parkbank aus betrachtet

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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„Vernon Subutex“, Teil 2, in der Frankfurter Stalburg.

Der zweite Teil der Frankfurter Stalburg-Theater-Trilogie zum Roman „Das Leben des Vernon Subutex“ stand zunächst unter einem schlechten Stern, der wilden, der atemlosen Geschichte der französischen Autorin Virginie Despentes gemäß. Unbill im Buch ist aber grundsätzlich etwas anderes als Unbill hier draußen, und sie sollte dort bleiben, im Buch, die Unbill. Nach der Premiere des ersten Teils im Februar 2020 stand in der FR: „Mitte März geht es weiter.“ Ein großer Irrtum. Nun aber setzt die Stalburg auf 2G und eine neue Lüftungsanlage, und mit nur ein bisschen lockerer Bestuhlung, aber ohne Maskenpflicht kommt ein geradezu überwältigendes Gefühl von vertrautem und doch vernünftigem Gewimmel auf.

Und noch etwas ist in den letzten anderthalb Jahren geschehen: Schauspielerin Iris Reinhardt Hassenzahl musste die Produktion aus persönlichen Gründen verlassen, in einem Zweipersonenstück ist das keine Petitesse. Alice von Lindenau stieg ein, und der Neustart trug insofern auch in der Wiederaufnahme des ersten Teils bereits eine Premiere mit sich.

Wie es danach weiterging

Jetzt also das Mittelstück: Der Ex-Plattenladenbesitzer Vernon Subutex findet sich im Zuge seines wirtschaftlichen Niedergangs auf einer Parkbank wieder. Er lernt neue Menschen kennen – den Lottogewinner Charles, der trotzdem am liebsten ein Bier im Park trinkt und schaut, wer sich so zu ihm setzt. Den friedfertigen Laurent, der Vernon in der Not geholfen hat. Der windige Typ, der sich Hyäne nennt, sucht und findet derweil die begehrten Tonbänder des toten Rockstars Alex Bleach. Vernon hingegen bleibt für seine alte Clique zunächst unauffindbar – dieses retardierende Moment macht den zweiten Teil insgesamt ruhiger, defensiver. Pornostar Pamela Kant schaltet sich eigens ein und stattet Emilie einen Besuch ab, die immer noch sauer auf Vernon ist. Aicha, die inzwischen davon ausgeht, dass ihre Mutter Vodka Satana ermordet worden ist, plant Rache am Sohn des mutmaßlichen Mörders, aber warum am Sohn?

Wer nicht im Bilde ist, steigt zwar ein wie in Folge 333 einer Telenovela. Aber es ist viel pfiffiger, viel härter und viel menschlicher. Lesen Sie zudem vorher das kleine Comic von Prisca Ludwig durch, das an der Kasse verteilt wird. Immerhin ahnt man dann, was man verpasst hat. Es bleibt kompliziert, es bleibt turbulent, und es ist erneut ein Kunststück der Regisseurin Katja Lehmann, eine straffe Textfassung und szenische Form dafür zu finden, die auch für das Verwirrende direkt interessiert.

Zu sehen ist erneut eine flotte Folge von Monologen und Begegnungen, das Bühnenbild von Herbert Huber und Moritz Bauer mit Podesten für diverse Orte und Lebenslagen und mit einer Leinwand für die Fotos und Videos von Till Caspar Juon und Katja Lehmann: zu Vernons neuem Leben auf der Straße und im Café Rosa Bonheur, eingeblendet wird zudem wieder der Name der jeweils erzählenden Figuren. Nicht, dass das einem immer hilft.

Behilflich sind eher die Kostüme von Doreen Winkler, vor allem sind es Alice von Lindenau und Christoph Maasch selbst, die sich mit solcher Selbstverständlichkeit von Rolle zu Rolle schwingen, dass zum Luftholen keine Zeit bleibt. Maasch als Pamela Kant, ohne einen Hauch von Ironie: Das ist groß. Alice von Lindenau, das ist reizend, spielt zumindest vorerst auch noch etwas Hassenzahl mit, auf die das offensive Spiel ja einmal zugeschnitten war. Alles sitzt aber ausgezeichnet.

Stalburg Theater, Frankfurt: 11., 12., 19., 25. Oktober, 2., 8., 16. November. stalburg.de

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