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„Vernon Subutex“ in der Stalburg: Auf Leben und Tod

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Von: Judith von Sternburg

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Christoph Maasch und Alice von Lindenau. Niko Neuwirth
Christoph Maasch und Alice von Lindenau. © Niko Neuwirth

Das furiose Finale des Stalburg-Theater-Dreiteilers „Vernon Subutex“.

Das dreiteilige „Vernon Subutex“-Projekt im Frankfurter Stalburg-Theater ist zunächst unter die Pandemie-Räder geraten, außerdem dann noch unter die der Lebensplanung. Die Schauspielerin Alice von Lindenau sprang nachträglich ein, so dass Teil 1 später eine zweite Premiere erlebte. Dass jetzt Teil 3 herausgekommen, dass am Ende also alles gut gegangen ist: ein Triumph der Beharrlichkeit.

Und des Duos Lindenau und Christoph Maasch auf der Bühne, die das Energieniveau gehalten haben, zwei unermüdliche Temperamentsbolzen. Und der Regisseurin Katja Lehmann, die die Romantrilogie der Französin Virginie Despentes in eine wirkungsvolle Theaterfassung gebracht hat. Die nämlich durchhält bis zum bitteren Ende. Ja, im Theaterleben geht es gut aus, aber für Vernon Subutex nicht.

Zum dritten Mal also das Konzept mit dem langen Atem: Lindenau und Maasch schlüpfen mithilfe der Kostüme von Doreen Winkler, aber vor allem dank ihrer Sprungbereitschaft und inneren wie äußeren Beweglichkeit von einer Rolle in die nächste. Die Bühne (Herbert Huber, Moritz Bauer) eine nützliche Landschaft aus Podesten, weiterhin wird auf einer Leinwand hinten eingeblendet, wer jetzt gleich kommt. Aber man ist nicht der einzige im Saal, der Maasch als berühmte Pamela Kant mit uneitlem Hüftschwung ohnehin bereits erkennt.

Man kennt sich

Denn trotz der zeitlichen Abstände ist es Lehmann, Lindenau und Maasch gelungen, Figuren zu installieren, die einem vertraut sind und die wiederzusehen eine Freude ist: Vernon, der mit (Vor-Corona-)Tanzveranstaltungen erneut von sich reden macht, Céleste und Aicha, die sich nach ihrem Rachefeldzug gegen Dopalet fern von Paris (in Barcelona und Frankfurt) verstecken, die Hyäne und Olga, beide cool und wehrhaft bis zuletzt. Die Ortswechsel werden durch Bilder angezeigt, Frankfurt wird zelebriert und beschimpft, wie es sich gehört. Auch die Spielszenen im Film (Video: Till Caspar Juon und Lehmann) entlasten nicht nur das Duo auf der Bühne, sondern beleben das Geschäft. Teil 3 erscheint handlungsgetriebener als die anderen beiden Teile. Jetzt muss einiges zu Ende gebracht werden. Man ist ganz bei der Sache.

Und die Stimmung ist nicht nur im Publikum gut. Trotz der Bataclan-Anschläge, trotz der Hölle, in die Céleste zeitweilig gerät, stehen die Zeichen auf Hoffnung und Zukunft. Wer das Romanfinale noch nicht kennt, dem steht eine Erschütterung bevor. Mehr lässt sich mit einer Fortsetzungsgeschichte nicht erreichen.

Jetzt kann man sich (wie einen „Ring“, nur nicht ganz so lang) alle drei Teile nacheinander weg ansehen. Oder auffüllen, was man verpasst hat. Oder einfach wieder von vorne anfangen.

Stalburg Theater: 27./28. Februar sowie 3. März, 7.-9., 14.-16., 20.-22. März (je alle drei Teile, einzeln buchbar). Teil 3 auch am 26. März. www.stalburg.de

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