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Schabernack? Diktatorinnen in Plüsch in Mainz.
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Schabernack? Diktatorinnen in Plüsch in Mainz.

Staatstheater Mainz

Unter Diven

Theresia Walsers Diktatoren-Gattinnen-Komödie schmerzlos im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz

Von Grete Götze

Die sind niddemal fertig“, kommentiert eine Frau den Beginn der Inszenierung „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“. Denn während die Zuschauer eintreffen, wird sich auf der Bühne noch gedehnt, der Vorhang gereinigt. Und auch die toupierten Perücken, welche die drei Diktatorinnen-Gattinnen Margot, Imelda und Leila gleich zum Beginn einer Pressekonferenz über einen Film tragen wollen, der ihr Leben zeigen soll, haben noch nicht alle aufgesetzt.

Heike M. Goetze, die zum ersten Mal in Mainz inszeniert, hat sich für eine abgehalfterte Barock-Kulisse entschieden. Es könnte das Bühnenbild zu einer plüschigen Oper sein, mit rosa Vorhang und Samt-Diwan. Dieser schöne Einfall entstammt der Figur der Imelda, die findet, ihr Leben lasse sich besser als Oper darstellen denn als Film. Ein glamouröser Einfall. Wären da nicht rechts Blutspritzer an der Wand und links Schminktische, welche die Illusion Theater stören. Dann lässt auch noch die Inspizientin über Lautsprecher mitteilen, dass es gleich los gehe. So viel ist schon nach drei Minuten klar: Hier ist alles ein bisschen ver-rückt und schief. Wie könnte es auch anders sein, wenn Frauen, die an die Diktatorengattinnen Imelda Marcos, Leila Ben Ali und Margot Honecker erinnern, einen Film drehen wollen, der sie nur im besten Licht zeigt? Der verschleiern soll, dass sie zusahen, wie ihre Männer Unrechtsregimes steuerten und Milliarden beiseite schafften, um sich zu bereichern?

Zwischen Demut und Wortverdrehung

Um zwischen den Diven zu vermitteln, ist Simultandolmetscher Gottfried engagiert, der zur rechten Verständigung aber keineswegs beiträgt. In Mainz ist er ein in Wohlfühlkleidung gewandeter Schlacks (Luc Feit), der zwischen Demut und Wortverdrehung hin- und herwechselt. „Entschuldigen Sie, Frau Margot, wenn ich Sie das jetzt so geradeheraus frage, aber ich dachte immer, man hätte Sie und Ihren Mann damals hingerichtet?“ fragt Leila. Und Gottfried übersetzt: „Ich hoffe, Sie hatten eine gute Reise, Frau Margot, Sie sehen sehr frisch aus.“ Die Lacher sind ihm an diesen Stellen gewiss.

Frau Margot ist hier eine in silbernen Tüll gewandete Eiskönigin. Ihr Unvermögen, das System DDR im Nachhinein kritisch zu sehen, zeigt Anna Steffens als unbeugsame Rechthaberin bis zuletzt. Imelda Marcos spielt Anika Baumann völlig überkandidelt, stets ein Blumen-Meer um sich herum erwartend. Überkandidelt auch ein im Barockkleid lächerlich aussehender Sänger, der zwischendurch ein paar Operntakte singt. Und ein Souffleur verfolgt mit Textbuch fassungslos das exaltierte Geschehen.

Die gut eine Stunde dauernde Inszenierung, eine Koproduktion mit dem Luxemburger Theater, setzt auf die lauten, schrillen Töne. Das Licht geht an, das Licht ist rot, das Licht geht aus. So oberflächlich die Frauen hier wirken sollen, so oberflächlich verläuft leider teilweise der Abend, wobei auch Theresia Walsers Stückvorlage von 2013 sich nicht sehr für die Abgründe der Damen interessiert. Einzig die Figur Leilas, die Catherine Janke spielt, lässt erahnen, wie schwierig es für einen Menschen sein muss, dem einst die Welt zu Füßen lag und der jetzt als schlechter Mensch gilt, obwohl er der gleiche geblieben ist. Fast mechanisch wie ein Computer presst sie wild schielend jedes einzelne Wort über das Schicksal ihres Mannes hervor: Vor Gericht wegen „Ver-bre-chen-ge-gen-die-Mensch-lich-keit.“. Und der Zuschauer erschaudert vor ihrem maskenhaften Gesicht, das nahe dem Wahnsinn ist.

Staatstheater Mainz: 28. Oktober, 8.November, 22. Dezember. www.staatstheater-mainz.com

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