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Reich mir die Hand: Nathalie Parsa, Sascha Luder.

Musical

„Saturday Night Fever“, solide in Bad Vilbel

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Das Musical „Saturday Night Fever“  wird in Bad Vilbel seine Freunde finden. Ernsthaft originelle Akzentsetzungen jedoch sind keine zu verzeichnen.

Suff und Drogen, Arbeitslosigkeit und trostlose berufliche Perspektiven, Rassismus, ein rüder, in Vergewaltigungen gipfelnder Umgang mit Frauen: John Badham, der Regisseur des Films „Saturday Night Fever“, der 1977 in die Kinos kam und ein epochaler Kassenschlager war, hatte nach eigenem Bekunden den Vorsatz, „das Ganze fast wie eine Dokumentation über Brooklyn anzugehen“. Ausgangspunkt für das Drehbuch zu dem Underdogdrama im Umfeld der fiktiven New Yorker Disco 2001 Odyssey war eine im Jahr zuvor erschienene Reportage des Musikjournalisten Nik Cohn über die Jugend im Brooklyn der 70er, die dieser später für frei erfunden erklärte.

Erfolgreiche Bands, erfolgreiche Filme – dem Virus der Musicalifizierung entgeht kein popkulturelles Massenphänomen, so geistert auch „Saturday Night Fever“ seit gut 20 Jahren über die Bühnen. Die erste Ohrenfälligkeit der Aufführung bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen: Mit dem Popappeal Marke Bee Gees hat das nichts zu tun. Wobei das Original im fragwürdigen Ruf einer Verramschung der afroamerikanisch und queer geprägten New Yorker Discokultur der 70er steht. Wie auch immer: Der in seiner Art bezwingende Discowumms von Bee Gees & Co. samt dem charakteristischen Falsettgesang ist jedenfalls raus.

Was ja völlig in Ordnung wäre, wenn sich das Musical als Unternehmung von eigenem Recht mit einer packenden Qualität präsentierte. Die Vilbeler Aufführung in der Regie von Benedikt Borrmann mit einer wetterfest in einem externen Raum untergebrachten achtköpfigen Band unter der Leitung von Markus Höller wirkt, was die Arrangements anbelangt, etwas hüftsteif und gesanglich – von Ausnahmen abgesehen – unglamourös.

Wohlverstanden: Keiner macht seine Sache absichtlich schlecht, überwiegend aber ist das gesangliche Potenzial nur solide. Glanzlichter vermag Sonja Herrmann als Clubsängerin mit einem deftig-ausladenden „schwarzen“ Gesang zu setzen, der an den stimmlich brillanten Diven der Discoära und offenkundig auch am Blues geschult ist. Einen – hochverdienten – Szenenapplaus hat es bei der Premiere auch für den Einspringer Maximilian Nowka und eine melodramatische Ballade in der Rolle des Bobby C gegeben.

In Sascha Luder hat die Aufführung einen gesanglich wie tänzerisch respektablen Tony Manero, ansprechend agieren desgleichen Janice Rudelsberger als die ewig verschmähte Verehrerin Annette sowie Nathalie Parsa im Part der am sozialen Aufstieg orientierten Stephanie.

Es ist eine ansehnliche Musicalaufführung, sie wird – Riesenjubel am Ende der Premiere – ihre Freunde finden. Ernsthaft originelle Akzentsetzungen jedoch sind keine zu verzeichnen.

Termine: www.kultur-bad-vilbel.de

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