Gerade mal nicht Kung Fu: Dieudonné Niangouna in "Le Kung Fu".
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Gerade mal nicht Kung Fu: Dieudonné Niangouna in "Le Kung Fu".

Mousonturm "Afropean Mimikry"

Übers Auspeitschen plaudern

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Der Theatermacher Dieudonné Niangouna startet im Mousonturm Frankfurt mit einem Soloabend eine afrikanische Reihe: "Afropean Mimikry & Mockery".

Als „Hottentotten-Venus“ ist die Südafrikanerin Sara Bartman Anfang des 19. Jahrhunderts in Europa bekannt geworden. Wegen ihrer üppigen Körperformen wurde sie ausgestellt, nach ihrem Tod teils ausgeweidet. Ein Gipsabdruck ihres Körpers landete im Musée de l’Homme. Als lebendes Mahnmal stand nun die Künstlerin Teresa María Díaz Nerio am Wochenende stundenlang stockstill im Frankfurter Mousonturm, in einer zweiten Haut aus dickem, schwerem schwarzen Leder, nur ihre Augen waren sichtbar: „Hommage à Sara Bartman“, so der Titel der Aktion, ist eine beklemmende Anstrengung.

„Afropean Mimikry & Mockery“ haben der Mousonturm und internationale Kooperationspartner eine jetzt eröffnete Reihe überschrieben: Theater, Performance, bildende Kunst sollen vor allem über die Themen Nachahmung und Verspottung – wie sie eine Kolonialisierung mit sich bringt – in den Beziehungen zwischen Afrika und Europa Auskunft geben. Auf drei Jahre ist das Projekt angelegt.

Der kongolesische Theatermacher Dieudonné Niangouna ist im Rahmen des Projekts „Artiste Associé“ des Mousonturms. Er war schon seit längerem in Frankfurt unterwegs, wie seine Performance „Le Kung Fu“ unschwer erkennen lässt anhand von in der Stadt gedrehten, über die zwei Stunden gestreuten Videos. Als früher Filmfan gibt sich Niangouna sofort zu erkennen, unbedingt wollte er Kung Fu lernen, unbedingt Filmstar werden an der Seite von Jackie Chan.

In Frankfurt hat er also Szenen aus bekannten Filmen nachgedreht, lässig und oft lustig, Titel und Regisseur sind jeweils vorher eingeblendet: Hitchcocks „Der Mann, der zuviel wusste“, „Flashdance“, Tarantinos „Jackie Brown“, „Pretty Woman“ (man erkennt die Goethestraße).

Auf auch selbstironische Art entlarvt Niangouna die Klischeevorstellungen, mit denen wir anderen begegnen. Indem er zum Beispiel so tut, als wäre es gar nicht absurd, ihn optisch mit Yul Brynner zu vergleichen. Von einem Augenblick zum anderen kann er einen Witz reißen, kann, den Schriftsteller Aimé Césaire zitierend, übers Auspeitschen plaudern, zwischen der Bühnendeko, einem Baugerüst, furios turnen. Als Alleinunterhalter und Zwischen-den-Themen-Schlenderer schafft er an diesem Abend einen gehörigen Rundumschlag.

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