Tanzfestival Rhein-Main

Ein Tuch auffalten, Becher verteilen

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Die Performance „Harmless Being“, harmlos im Künstlerhaus Mousonturm.

Der Frankfurter Mousonturm sieht sich offenbar zunehmend als Produktionszentrum, dies in erster Linie für den Nachwuchs oder noch nicht stadtbekannte Künstler. Man spannt das Fördernetzwerk einerseits weit und bis in andere Länder auf, zuletzt unter anderem für den Choreografen Emanuel Gat und das Ensemble Modern. Andererseits zeigt man im Turm mittlerweile (gefühlt) hunderte von kleinen Sachen, die künstlerisch so bescheiden sind, dass eine strengere Auswahl mindestens diese Zuschauerin froh machen würde.

Jetzt war das im Rahmen des Tanzfestivals Rhein-Main eine Uraufführung mit dem durchaus nicht unpassenden Titel „Harmless Being“. Für Konzept, Regie, Raum, Video zeichnet Ayla Pierrot Arendt verantwortlich, die in Wien und Gießen studierte. Ihre Performerinnen sind die eindrucksvoll präsenten Katja Cheraneva und Su-Mi Jang. Ausdrücklich soll „Harmless Being“ kein Bühnenstück sein, sondern eine „Theatersituation“.

Die sieht so aus: das Publikum sitzt auf zwei Seiten, im Rücken jeweils ein Baugerüst mit Leinwänden, auf die Videos projiziert werden, in denen die Darstellerinnen eher zurückhaltende Bewegungen ausführen, auch einmal auf den Armen Schläuche tragen wie äußerliche Blutgefäße. Flüssigkeit tropft unten heraus. Nachdem die zwei Tänzerinnen vom Gerüst gestiegen sind, falten sie, unter anderem, schweigend und ganz langsam ein blutrotes Tuch auf, schlüpfen darunter und kriechen darunter herum. Oder sie verteilen, ebenfalls in meditativer, stiller Langsamkeit, Plastikbecher auf dem Boden, nehmen einen dünnen Schlauch, wie er im Video auf ihren Armen festgeklebt war, ziehen ihn behutsam über den Boden, womit die Becher auf eine Seite geschoben werden, ohne dass einer umstürzt. Nehmen ein solches Schläuchlein und heben es über die Köpfe der Zuschauer.

Zu allem gibt es die unheimlich knurpselnde und ächzende Geräuschkulisse (Sound Design: Don Dyzette & Fullruhm), ohne die keine Performance, die auf sich hält, mehr auskommt. Dazu gibt es feine Kostüme zwischen Samurai und Trainingsanzug (Nina Divitschek), denn es geht um die „starke Frau“. Nicht zu vergessen die durchaus professionellen, dekorativen Videos, die aber manchen Schritt tun in Richtung Bedeutsamkeitskitsch. Etwa wenn – aber langsam! – mit weißen Steinen hantiert wird. Oder Effekte ein Strömen weißen Wassers über die Liegende suggerieren.

Wie kürzlich schon eine andere Performance im Mousonturm – „Superquadra: FFM“ –, so treibt auch „Harmless Being“ am Ende zu viel Aufwand um Formfragen, denen viel zu wenig Inhalt gegenübersteht.

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