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„Truckermärchen“: In Echtzeit eine gute Suppe

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Von: Andrea Pollmeier

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Friederike Schreiber erzählt vom Truckerleben. Foto:Katrin Schander
Friederike Schreiber erzählt vom Truckerleben. © Katrin Schander

Das Theater Gruene Sosse erzählt in„Truckermärchen. Von Wiegenliedern und Warenketten“ Geschichten basierend auf einer Langzeitrecherche

Theater, das für Kinder entwickelt ist, erzählt nur selten unmittelbar realistisch. Meist findet sich zumindest eine Prise Phantastisch-Märchenhaftes in einzelnen Szenen. Überraschend fest an die Realität gebunden bleibt hingegen das neue, von Liljan Halfen (Regie) und Friederike Schreiber (Spiel) am Theater Gruene Sosse entwickelte Stück „Truckermärchen. Von Wiegenliedern und Warenketten“. Der Titel verknüpft bereits Idyllisches mit ökonomischen Fachbegriffen. Die Welt ist komplex, das wissen auch Kinder.

Auch der Ort, an dem die mobil realisierbare Inszenierung stattfindet, ist ungewöhnlich. In Frankfurt ist es ein von Geschäften umgebener Innenhof, der auch als Parkplatz dient. Selbst wuchtigen LKWs bietet er hinreichend Manövriermöglichkeiten. In einem geschützten Zuschauerbereich hat eine Gruppe Erstklässler auf Klappstühlen Platz genommen. Wenige Meter von ihr entfernt rollen gelegentlich LKWs, die Waren an umliegende Geschäfte anliefern. Einer, mit einer leuchtend blauen Plastikplane, rollt nah an die Schülergruppe heran und stoppt.

Wie ergeht es den Menschen, die Tag um Tag in solchen Truckern über die Fernstraßen Europas rollen? Jedes Kind hat die Fahrer (und die ein oder andere Fahrerin) in ihren Lastwagen auf der Autobahn bereits gesehen, kennt die Gefahren, die von den großen Transportern ausgehen können. Im „Truckermärchen“ geht es jedoch nicht darum, Abstand zu halten. Im Gegenteil, die Geschichtenerzählerin Friederike Schreiber, die den blauen Laster fährt, erzählt auf spannungsvolle Art (Dramaturgie: Ossian Hain) von den Lebensrealitäten dieser Personen.

Die Geschichten basieren auf einer Langzeitrecherche, die während der Pandemie-Phase auf Autobahn-Raststätten entstanden ist. Per Video wird auch die Begegnung mit dem ukrainischen Fahrer Vadim dokumentiert. Als das Team ihn im Mai des Jahres 2021 kennenlernte, saß er gerade in seinem LKW und malte. Seine Geschichte, die damals noch nicht mit Krieg verbunden war, wird zunehmend konkreter und lebendiger. Sie ist geeignet, stereotypen Bildern über die LKW-Welt entgegenzuwirken.

Doch wird nicht nur erzählt. Im Nu ist die blaue Plane des LKWs aufgerollt. Sie gibt den Blick frei in eine Art Wohnraum mit großem Fernseher, Camping-Kocher und Esstisch. Die ungewohnte Parkplatz-Szene wirkt nun schon ganz wie eine echte Theater-Bühne. Suppenduft zieht am Ende durch die Zuschauerreihen. In Echtzeit ist auf dem Kocher eine Suppe entstanden, auch Fakten über Schutzvorschriften und Ruhezeiten, die ein Fahrer einzuhalten hat, waren Teil der Zutaten.

www.theatergrue nesosse.de

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