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Isolde vor ihrem Liebestod, bei dem sie aber noch wird nachhelfen müssen. Foto: Christian Kleiner
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Isolde vor ihrem Liebestod, bei dem sie aber noch wird nachhelfen müssen.

Nationaltheater Mannheim

„Tristan und Isolde“ in Mannheim: Im kosmischen Gestöber

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Das Nationaltheater Mannheim verlegt „Tristan und Isolde“ in die Zeit der Jahrhundertwende – und ins Weltall.

Der Liebe zwischen Tristan und Isolde zu misstrauen, erschwert den Umgang mit Richard Wagners Oper erheblich. Gewiss ist es eine Liebe, die von Sekunde eins an dem Tod geweiht ist, Tristan reicht Isolde schon an Bord sein Schwert, „düster und bleich“ tut er es, schreibt Wagner, also glaubhaft zum Sterben bereit. Todessucht und Liebe untrennbar, aber auch Tristan und Isolde untrennbar.

Der Trank eröffnet, realistisch gesehen und anders als im mittelalterlichen Epos, lediglich die Möglichkeit, einander zu offenbaren, was längst auf der Hand liegt (und von zarten Brangänen und Kurwenals in der Gefolgschaft des Paars gemeinhin auch bemerkt wird). Dieser Moment der rückhaltlosen und endgültigen Befreiung von Konvention und altem Ingrimm ist der visuelle (wenn auch fast der einzige visuelle) Trumpf der neuen Inszenierung am Staatstheater Wiesbaden (FR v. 9.11.) – alles in ein anderes Licht getaucht, das Paar wie verwandelt, während bloß eine Woche später am nahen Nationaltheater Mannheim hier nicht viel passiert. Auch im zweiten Aufzug ist kein Zueinander. Regisseurin Luise Kautz dazu im Programmheft: „Tristan und Isolde lieben aneinander vorbei.“ Tun sie das?

Kautz, Lani Tran-Duc (Bühne) und Hannah Barbara Bachmann (Kostüme) haben an sich einen griffigen, unmittelbar ansprechenden Kosmos geschaffen, im Wortsinn, indem der Raum zum Vorspiel zunächst dem allmählich sich ausbreitenden Video von Simon Janssen überlassen bleibt. Während Alexander Soddy das Orchester mit höchster Disziplin höchster Lust entgegenstreben lässt, entsteht aus weißen Sternschnuppen und Kaulquappen auf schwarzem Grund ein Feuerwerk, dann eine Pulverisierung, schließlich ein rasendes Weltall. Immer wieder wird es sich in den großen Momenten ausbreiten, zu denen Kautz die Einnahme des Tranks offensichtlich nicht zählt.

Die Szenen dann: Jahrhundertwende, als wär’s ein Stück von Schnitzler oder Ibsen. „Isolde oder Das Puppenschiff“, das Puppenschiff eine Nussschale wie auf alten Illustrationen, bei näherer Hinsicht aber gediegen verarbeitet, passend zu einem asiatisierenden Tor im zweiten Aufzug, dazu goldene Stühle, Brokatkissen. Der Belle Epoque entsprechen die hellen, nicht mehr geschnürten Kleider der Frauen, die Haare weich hochgesteckt. Tristans Burg im dritten Aufzug: ein moosig-torfig-wässriger Hügel, ein stark vergrößertes Modelleisenbahnlandschaftselement.

Kautz bezieht auch die Bewegungssprache aus dem bürgerlichen Milieu um 1900, der Mann verlegen und verhalten, die Frau ein wenig kokett und fast ein bisschen spießig. Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob Tristan und Isolde einander tatsächlich wie Turteltäubchen begegnen oder nicht doch eine völlig andere Dimension erreicht haben – die vom Team auch eingeplante, kosmische –, sieht man Frank van Aken und Allison Oakes im doch arg konventionellen, unverbindlichen und teils sogar merkwürdig gehemmt wirkenden Spiel. Dass van Akens Tristan sich ausgerechnet im Liebesduett konditionell schwer tut, dass die schöne, große Stimme von Oakes’ Isolde ausgerechnet beim Liebestod Unsicherheit ausstrahlt, ist nicht hilfreich (lässt allerdings noch respektvoller an das Wiesbadener Paar denken!).

Der Liebestod funktioniert wohl auch nicht. Isolde, scheint es, muss sich am Ende im sehr flachen Wasser ertränken.

Gute, hauseigene Besetzungen: Der Marke von Patrick Zielke (optisch zwischen Otto Wesendonck, dem Gatten der Richard-Muse Mathilde, und dem bayerischen König Ludwig II.), die Brangäne von Julia Faylenbogen, eine adrette Angestellte, keine Mitleidende, der Kurwenal von Thomas Berau, der hingebungsvoll als Narr gestaltete Hirte von Uwe Eikötter. Das Orchester unter Soddy überzeugt bis ins Mark, ebenso der von Dani Juris geleitete Chor.

Nationaltheater Mannheim: 21. November, 5. Dezember. www.nationaltheater-mannheim.de

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