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Gesprächsreihe in Frankfurt

„Transformation(en)“ am Schauspiel Frankfurt: Weil Stille das Schlimmste sein kann

  • VonAndrea Pollmeier
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Schauspiel-Gespräche über Ausgrenzung

Wir haben noch nicht gelernt, in Gesellschaft aller Menschen voranzugehen“, sagt die Soziologin und Migrationsforscherin Harpreet Cholia und erinnert damit an Schlussgedanken aus Frantz Fanons „Die Verdammten dieser Erde“. Damals wie heute denkt man in Mustern wie Peripherie und Zentrum, verweist Menschen an einen vermeintlichen Rand. Schon früh werde das eingeübt, so Cholia, etwa in Schulklassen.

Die neue Reihe „Transformation(en)“, die in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt über Wege zu einer „Gesellschaft ohne Diskriminierung“ nachdenkt, bringt zum Auftakt Cholia und Michal Schwartze zusammen, beide haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, professionell gegen Ausgrenzung einzutreten.

Rassismus ist immer da

Schulen werden von gesellschaftlichen Strömungen unmittelbar erfasst. Darum sei es falsch, wenn sich eine Schule als „Schule ohne Rassismus“ proklamiere, erklärt Cholia. Niemand könne vermeiden, dass in einer Schule diskriminierendes Handeln vorkomme, doch müsse immer aktiv dagegen angegangen werden. Realistisch sei es darum, von „Schule gegen Rassismus“ zu sprechen. Das mag wie Haarspalterei klingen, doch sind es entscheidende Nuancen der Sprache, die das von Hadija Haruna-Oelker moderierte Gespräch in den Blick rückt.

Am Beispiel persönlicher Erfahrungen erklärt Cholia diese Zusammenhänge: Sie sei in einem Londoner Arbeiterviertel als Kind der einzigen indischstämmigen Familie der Gegend aufgewachsen. Damals habe man „Jagd“ auf Menschen aus Südasien gemacht. „Für mich gab es zu viele Menschen, die still blieben“, erklärt sie. Diese Stille sei für sie schlimmer gewesen als die „Nazis“, die sie verprügelten. „Ich wollte jedoch nicht in Hass versinken.“ Wie die Gymnasiallehrerin Michal Schwartze arbeitet Cholia heute als Trainerin in Schulen mit Lehrenden und Lernenden. Es geht um Teilhabe in vielschichtigen, identitätsprägenden Momenten.

„Wir sind in Frankfurt schon ein Stück vorangekommen,“ meint Michal Schwartze, die auch als freie Bildungsreferentin für genderreflexive, rassismus- und antisemitismuskritische schulische Bildung tätig ist. „Vielfach haben Schülerinnen und Schüler begonnen, sich aus der Opferrolle zu befreien und Gleichbehandlung einzufordern und sich zum Beispiel gegen unausgesprochene Kleiderregeln zu wehren“, berichtet sie. Doch Kritik erreiche die verbeamteten Lehrkräfte oftmals nicht, es gebe keine Fehlerkultur, keine systematische Supervision – dies sei jedoch notwendig, um in Momenten der Konfrontation Handlungssicherheit zu erlangen.

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