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„Träume...vom Ankommen und Weiterziehen“ im Frankfurter Theaterhaus: Geh aus, mein Herz

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Von: Sylvia Staude

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Die vier von „Träume“. Foto: Katrin Schander
Die vier von „Träume“. Foto: Katrin Schander © Katrin Schander

Das klingende Kinderstück „Träume...vom Ankommen und Weiterziehen“ im Frankfurter Theaterhaus.

Hier sind wir also gelandet.“ Vier bunte, kurios geschminkte Menschen sehen sich um. Hier? Das ist erstmal die Bühne des Frankfurter Theaterhauses, es ist schließlich Premiere. Aber die vier lassen sich auch gern einladen – haben sie sich deswegen so schick gemacht? Mit Bommelchen und Fransen und quietschegrünen Haaren, mit Jeansfrack und Eisprinzessinnenrock (Ausstattung: Kerstin Laackmann)? Regisseur Rob Vriens hat mit dem Ensemble des Theaterhauses, mit Günther Henne, Michael Meyer, Uta Nawrath und Susanne Schyns, ein Kinderstück inszeniert, das vernünftige Leute gewiss in andere kleine Theater, in Schulen und auf Plätze weit und breit holen werden.

Sie sind aufgeschlossen

Die vier bunten Menschen kommen also an, einfach so, haben ein Bäumchen, einen Stuhl auf einem Leiterwagen dabei, sind allem und allen gegenüber aufgeschlossen, freundlich, sangesfreudig. Es gibt ein „Quaklied“, ein „Freundelied“, ein „Mutterlied“. Es gibt, nun ja, Klassisches wie „Der Kuckuck und der Esel“ oder „Wenn ich ein Vöglein wär“. „Geh aus mein Herz und suche Freud’“ fremdelt hier durchaus nicht mit dem fetzigen Rhythmus von „Wagamama“ von Gregor Praml.

So wie die fast ausschließlich a cappella, mit Heiho und aufgeblasenen Backen erzeugte Musik, so hat Rob Vriens auch die Dialoge aus allerlei Ecken, aus allerlei anderen Stücken zusammengesucht. Das funktioniert erstaunlich gut, weil es gar nicht darum geht, eine Handlung zu erzählen, sondern eine Lebenshaltung zu vermitteln. Zum Beispiel, dass es gut ist, nicht allein zu sein – „wir sind zu viert, immer“. Oder dass das Leben „nicht zum Zurückgehen gedacht“ ist. Also zum Vorwärtsgehen? Darüber scheinen die vier nochmal nachdenken zu müssen. Indessen fühlen sie, wie weich die Ohrläppchen ihres Gegenübers sind.

„Träume ... vom Ankommen und Weiterziehen“ hat eine hübsche Offenheit. Alles scheint passieren zu können, eben genau wie im Traum. Nicht alles ist heiter – die Oma mit den 89 Falten wird vom Krankenwagen abgeholt, sie wird nicht wiederkommen. Und nicht immer sind die vier nett zueinander – keiner gönnt dem anderen den Sitzplatz auf dem einzigen Stuhl.

Aber dann stecken sie die Köpfe zusammen wie Verschwörer und Verschwörerinnen, Günther Henne schlägt die Stimmgabel an, schon singt das Quartett wieder, zum Beispiel vom kleinen Matrosen und seinem weinenden Mädchen, vom Taler, der wandert und Bienchen, das summt.

Theaterhaus, Frankfurt: 21., 23. November. Ab fünf Jahren. www.theaterhaus-frankfurt.de

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