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In scheinbarem Chaos machte die Tanzkunst gewaltige Fortschritte.
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In scheinbarem Chaos machte die Tanzkunst gewaltige Fortschritte.

Frankfurt LAB

Tony Rizzi erinnert im LAB an das Frankfurter Ballett: Der außergewöhnliche Mr. Forsythe

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Tony Rizzi erinnert an das Frankfurter Ballett und also wahrhaft glorreiche Tanzzeiten in der Stadt.

Bitte die Hand heben, fordert Tony Rizzi das Publikum auf, wer das Frankfurter Ballett nicht aus eigener Anschauung kennt. Es scheint tatsächlich niemanden zu geben unter dem zahlreich erschienenen Publikum im Frankfurt LAB, der gar keine Erinnerung an die großartige Truppe unter dem Choreografen William Forsythe hat. Rizzi, Jahrgang 1965, hat dort mit 20 angefangen. Er habe vor Angst die Hosen voll gehabt, als er plötzlich bei „Artifact“ auf die Bühne sollte.

Tony Rizzi, lange Jahre einer der prägenden Tänzer Forsythes, klein und auch deswegen besonders quick, hat sich neun Mitstreiterinnen und Mitstreiter gesucht für eine Rückschau auf eine glorreiche Tanzkunst-Zeit. Er nennt den Abend, der nach langer Pandemie-Verzögerung nun im Rahmen des Tanzfestivals Rhein-Main Uraufführung hatte, „Why Wait / Still Waiting“ – „Why Wait“, da man schließlich nicht warten müsse, bis Bill Forsythe tot ist, um ihn zu ehren. Und vor allem, um sich zu fragen, was seine Arbeit mit dem Frankfurter Ballett so besonders machte.

Bald sieht man einen Filmausschnitt, in dem Forsythe einem Journalisten erklärt: Er sei jetzt 32 und mit 32 sollte man machen können, was man für richtig hält. Er habe nun mal seine Methode, die anders sei als andere Methoden. Rizzi erinnert daran, wie die Leute damals türenschlagend weggingen, etwa beim anarchischen „Skinny“, aber auch bei „Artifact“.

Rizzi, Amerikaner mit den italienischen Wurzeln, ist nach Auflösung des Balletts in Frankfurt geblieben, hat im ganzen Land Profis trainiert, allerlei Mehr-oder-weniger-Tanzstücke herausgebracht. Er plaudert in „Why Wait“, erzählt Geschichtchen, stellt Fragen, tanzt ein bisschen (wie die anderen auch, obwohl sie mittlerweile zu den älteren Herrschaften zählen). Er rückt hier fürsorglich einen Mikroport zurecht, legt dort den Arm um Irene Klein, weil sie zu leise spricht, bittet um mehr Licht, um weniger Licht, hat die Augen und Ohren überall – und fordert, sekundiert von Alan Barnes, zuletzt dazu auf, sich impfen zu lassen. Wenn alle Menschen Tänzer wären, versichert Barnes strahlend, würde keiner zögern und wäre diese Pandemie schon lange vorbei. Rizzi spielt noch schnell ein „Lieblingsvideo“ ein, in dem Nonnen „Go go away Corona“ singen. Dieser Abend ist eine Wundertüte, chaotisch, sympathisch (vielleicht sollte Tony Rizzi die Dresden Frankfurt Dance Company übernehmen, wenn Jacopo Godani geht.)

Aber bei allem Klatsch und Tratsch gilt es der bunten „Why Wait“-Truppe, einen Eindruck zu geben von der Bedeutung des Choreografen wie auch Ballettchefs Forsythe. „Rules were made to be broken“, Regeln wurden aufgestellt, so Tony Rizzi, um sie zu brechen. Irene Klein erinnert sich, dass, anders als in Ballettcompagnien üblich, alle gleichberechtigt waren. (Und jeder und jede anders, könnte man hinzufügen.) Für die serbische Performancekünstlerin Snezana Golubovic war das Frankfurter Ballett „ein Garten“, in dem sie, es wieder und wieder betrachtend, eine Heimat fand. Und Bill Forsythe, alias „the voice of God“, hat zur Frage, was ihm das Ensemble bedeutete, die Sätze geschickt: „I let them fail, they let me fail“, sie durften scheitern, ich durfte scheitern.

Aber gescheitert, das sind sie eben ganz und gar nicht. Altes Videomaterial beschließt den knapp zweistündigen Abend, es belegt trotz nur kurzer Ausschnitte die Lebendigkeit und Kühnheit der Ära Forsythe. Im doppelten Sinn blieb man immer in Bewegung. Eben auch im Kopf. Das Publikum bekommt erzählt, wie Forsythe stundenlang mit seinem Ensemble tanzte, improvisierte. Und wie er stundenlang dozieren konnte, Tänzerinnen und Tänzer dusselig redete. Wenn das seine „Methode“ war, dann ist jedenfalls Großes dabei entstanden.

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