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Hamsuns Einheimische, ein wenig grotesk.
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Hamsuns Einheimische, ein wenig grotesk.

Schauspiel Frankfurt "Mysterien"

Tönen und toben

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Ein Fremder in Norwegen: Ein langer Theaterabend nach Knut Hamsuns Roman „Mysterien“ in der Box des Frankfurter Schauspiels.

Der mysteriöse Fremde, der aus unerklärlichen Gründen an einem abgelegenen Ort auftaucht, ist nicht nur ein beliebtes Westernmotiv. Schon in Knut Hamsuns 1892 erschienenem Roman „Mysterien“ reitet er gewissermaßen in einer kleinen norwegischen Hafenstadt ein, stürzt die Einheimischen in Verwirrung – und sich selbst zuletzt ins Meer. Dazwischen hat ihn Hamsun zum leidenschaftlichen Sprachrohr seiner künstlerischen Überzeugungen und Abrechnungen gemacht. So rechnet er zum Beispiel etwas wirr mit Tolstoi ab.

Oder jedenfalls ist etwas wirr, was von den Tolstoi-Diskussion im Roman noch übrig ist an einem andererseits sehr ausführlichen Bühnenabend „nach Hamsun“ in der Box des Frankfurter Schauspiels. Dort strebt der junge Regisseur Hans Block mit einer unberechenbaren Hauptfigur, eben jenem Johan Nilsen Nagel genannten Fremden, den irgendwie unberechenbaren Theaterabend an, Titel: „Mysterien – Unberechenbar werden!“

Mehrmals umziehen

Jedem Zuschauer wird ein Tetrapak-Mineralwasser mitgegeben, vermutlich, weil die „Mysterien“ zweieinhalb pausenlose Stunden dauern. Auch umzuziehen ist mehrfach, von den Foyerstufen in die Box, dann wieder hinaus, dann wieder hinein. Ein künstlerischer Mehrwert ist nicht erkennbar, im Gegenteil kommt Moritz Kienemann, der als Nagel gewaltig rennen und toben muss, auf den Foyerstufen einmal gefährlich ins Stolpern.

Nach einem feinen, geradezu choreografierten Start, wird die Aufführung zunehmend ziel- und punktlos. Eine Liebesverwicklung gibt es – Nagels mit der reizend kühlen Dagny, Paula Skorupa –, sie mäandert so durch den Abend. Gesellschaftsspiele und -gespräche gibt es, unvermutet eingestreut. Die Einheimischen sind so masken-verunstaltet (Kostüme: Raphaela Rose), als hätte man in diesem Hafenort seit Jahrhunderten immer nur Inzucht getrieben. Entstanden ist dabei auch ein quiekender, sabbernder, missbrauchter Dorfdepp (furios: Elias Eilinghoff).

Gründlich besaufen

Schließlich besäuft sich Nagel, und zwar gründlich. Wenn er dann ein ums andere Mal ankündigt: „Ich mach jetzt Schluss“ oder „Jetzt mach ich aber wirklich Schluss“, möchte man ihn gern persönlich über die Klippe stoßen.

Der kleine Spielort „Box“ ist die Nachwuchsplattform des Frankfurter Schauspiels, hier muss man sich ausprobieren und Überschwang-Fehler machen dürfen. Also zum Beispiel die – allen Anforderungen famos gewachsenen – Schauspieler tönen und toben lassen, bis der Exzess ins Lächerliche kippt. Kienemann wird so zum Rumpelstilzchen, haut gegen die Wand, pinkelt ins Eck, springt auf dem Boden rum, dass das Schauspielhaus wackelt. Der Effekt macht wenig Eindruck.

So originell die Wahl eines Hamsun-Romans ist, so wenig kann Hans Block letztlich mit der Figur des unberechenbaren Außenseiters anfangen. Oder vielmehr: es gelingt ihm nicht, seine Faszination aufs Publikum zu übertragen.

Schauspiel Frankfurt, Box: 30. September, 18., 19. Oktober. www.schauspielfrankfurt.de

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