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Verena Specht-Ronique erzählt vom Fahnenappell in der DDR. Foto: Katrin Schander
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Verena Specht-Ronique erzählt vom Fahnenappell in der DDR.

Theaterhaus Frankfurt

Theater Grüne Soße in Frankfurt mit „Apokalypse Resistance Training“: Aber was sage ich selbst dazu?

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Das Theater Grüne Soße in Frankfurt fragt nach Protest und Widerstand.

Zuerst auf der Leinwand die Apokalypse in großen Bildern. Naturkatastrophen gehen in Kintopp über, es wird gleich stumm im Saal. Dann drei Leutchen in Anzügen, die hinter drei TV-Studio-Kästen hochploppen wie Muppetsfiguren, die gleich die Nachrichten verlesen wollen. Viel älter als das Publikum, irgendwelche Erwachsene. „Apokalypse Resistance Training“, Weltuntergangswiderstandsausbildung, heißt die Sendung, die die Erwachsenen ankündigen und heißt das Stück des Theaters Grüne Soße für Jugendliche ab 14, das jetzt im Frankfurter Theaterhaus Premiere hatte. Wo die Erwachsenen es sich noch einmal anders überlegen und etwas über sich selbst erzählen.

Willy Combecher erzählt vom Tod seines Vaters, und das ist eine Geschichte, bei der man wieder staunt, was Kinder alles überleben, und wenn es noch stummer werden könnte, würde es jetzt noch stummer. Und er erzählt von den Protesten gegen den Vietnamkrieg und wie er nicht aufstehen wollte, obwohl alle aufstanden, wenn der Rektor in die Klasse kam. Später geht er nach Westberlin, weil er keinen Wehrdienst leisten will – und während er das kurz erklärt, dämmert einem, wie unglaublich lange es her ist –, und er kommt in die Hausbesetzerszene, und es ist zwar unglaublich lange her, aber es wird auch klar, dass die Themen noch alle da sind. Dazu irre alte Fotos auf der Leinwand, junge Männer mit Vollbärten und im Selbstgestrickten.

Dann erzählt Verena Specht-Ronique, die kurz vor der Wende in der DDR geboren wurde, 27 Jahre nach Combecher, rechnet sie aus. Vor der Wende latscht sie bei den großen Paraden mit, wie es gefordert wird, im Theaterhaus befindet sich auf einem der Kästen ein Laufband, sie läuft und läuft, man wird schon beim Zuschauen schlapp. Nach der Wende schreibt sie einen Aufsatz über Günter Grass, in dem nicht steht, was in der Lektüreanleitung steht. Sie bekommt eine schlechte Note und einen coolen Brief von Günter Grass, bei dem sie sich beklagt.

Dann erzählt Detlef Köhler von den Protesten gegen die Startbahn West und gegen das Zwischenlager in Gorleben, vom Vorgehen der Polizei, von Eskalationen und Gewalt. Immer wieder kommt es an den Punkt, an dem sich einer entscheidet. Mitzumachen, nicht mitzumachen. Das ist kein Widerspruch dazu, dass am Ende durchaus ergreifende Bilder von weltweiten Massenprotesten stehen. Massenproteste bestehen aus Menschen, Polizeiaufgebote bestehen aus Menschen.

„Apokalypse Resistance Training“ ist kein Geschichtsunterricht, im Gegenteil wird es hinterher viel zu besprechen geben. Vielleicht auch zu widersprechen, einzuhaken. Es ist aber auch – das ist noch beeindruckender – keine Veteranenerzählung. Stattdessen: Drei Menschen, die für einen Moment das Visier hochklappen und sich erklären. Am Ende steht eine Ermunterung zum Protest und nicht so sehr eine Ermunterung dazu, Polizist oder Polizistin zu werden. Aber es ist vor allem eine Ermunterung, über die Welt nachzudenken, in der man sich befindet, und dann selbst zu entscheiden.

Theaterhaus Frankfurt: 8. Oktober. www.theaterhaus-frankfurt.de

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