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Was hat Rachel mit der „missing woman“ zu tun? Martin Kaufhold
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Was hat Rachel mit der „missing woman“ zu tun? Martin Kaufhold

English Theatre Frankfurt

„The Girl On the Train“: Die Frau, die sich selbst nicht traut

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Das English Theatre mit „The Girl On the Train“ nach dem Bestseller von Paula Hawkins.

Girls, Girls, Girls. Naive, blitzgescheite, raffinierte, rachsüchtige, intrigante, mörderische – und natürlich auch ermordete „Girls“, eigentlich junge Frauen. „Good Girl“, „Perfect Girl“, „Girl With No Past“, „Girl Unknown“, „Girl In the Night“ – die Titel von Kriminalromanen und Psychothrillern waren nach 2012 fest in Mädchenhand. Denn gerade in der Spannungsliteratur ist ein Megabestseller ein Zug, auf den schnell viele aufzuspringen versuchen. Dieser Bestseller war im Jahr 2012 „Gone Girl“ von Gillian Flynn, ein intrikat gebauter Psychothriller, der damit spielt, dass keiner der Figuren zu trauen ist. Paula Hawkins machte es drei Jahre später mit „The Girl On the Train“ ähnlich: Das Titel-Mädchen ist Alkoholikerin und hat Erinnerungslücken, so groß wie Scheunentore. Oder glaubt sie nur, dass sie sie hat?

Die Britin Hawkins gehört zu jenen, die auf der Girl-Welle ritten; sie tat es mit Geschick. 2016 schon gab es eine US-amerikanische Verfilmung, diese verlegte den Schauplatz ihres Romans nach New York; aber im English Theatre Frankfurt, wo jetzt Regisseurin Psyche Stott „The Girl On the Train“ als deutsche Erstaufführung inszenierte, ist man wieder in London.

Dies freilich fast ausschließlich durch die britisches Englisch sprechenden Schauspielerinnen und Schauspieler, denn die Bühne Ruari Murchisons (auch Kostüme) besteht vor allem aus verschiebbaren weißen Rahmen, die am ehesten an Metallgerüste für Messebauten erinnern. Dazu kommt die passende Beleuchtung, dazu ein Tischchen und zwei Stühle – es ist erstaunlich, wie mühelos das in der Vorstellung zum Zimmer eines Psychologen oder Büro der Polizei werden kann.

Die Frau im Zug, sie heißt Rachel, fährt also täglich zur gleichen Zeit dort vorbei, wo sie bis zu ihrer Scheidung mit Tom (James Sheldon) gelebt hat, der mittlerweile eine andere Frau (Caroline Moroney als Anna) und ein kleines Kind hat. Aber nichtmal den Teppich vorm Kamin hat er mittlerweile ausgetauscht, das kann man (wie seine Ex) seltsam finden. Vom ausgerechnet dort oft vor einem Signal wartenden Zug aus also beobachtet Rachel (Laura Matthews) auf der Terrasse eines nahen Hauses ein scheinbar glückliches, liebevolles Paar – bis sie eines Tages sieht, wie die Frau einen anderen Mann küsst. Einen Tag drauf ist die Frau verschwunden, ihr Partner gerät unter Verdacht. Später wird auch Rachel von DI Gaskill (Jonathan McGarrity) verdächtigt, denn sie hat an diesem Abend wieder einmal Tom und Anna belästigt, war also ganz in der Nähe. Zudem kann sie sich, weil sie wie üblich nicht nur voller Wut, sondern auch sturzbetrunken war, an nichts erinnern, hat eine blutige Schramme am Kopf und kann sie der Polizei nicht erklären.

Nach und nach fallen ihr einige Bruchstücke dieses Abends ein. Aber darf sie ihrer Erinnerung trauen? Glaubt sie vielleicht nur, sich zu erinnern?

Trotz aller Zweifel taucht sie recht frech bei Scott (Ryan Cloud), Mann der verschwundenen Megan (Rebecca Birch), auf, lügt ihm vor, sie sei mit Megan befreundet gewesen. Sie schleicht sich bei Megans Psychologen (Kamal Abdic) ein. Sie macht sich damit natürlich noch verdächtiger, aber sie recherchiert eben – und reißt sich, was das Trinken betrifft, bald tatsächlich zusammen.

Auf keinen Fall darf hier das Ende verraten werden (falls jemand das in Mengen verkaufte Buch noch nicht gelesen hat). Der nicht gerade schlanke Roman ist jedenfalls von Rachel Wagstaff und Duncan Abel in eine geschmeidige Theaterfassung gebracht worden. Im English Theatre können nun seine Spannungsrädchen flott ineinandergreifen.

English Theatre Frankfurt: bis 6. November. www.english-theatre.de

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