Im hochmodernen Labor von „The Effect“. 
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Im hochmodernen Labor von „The Effect“.

English Theater Frankfurt

„The Effect“ in Frankfurt: Eine Pille zum Verlieben

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Im English Theatre stellt „The Effect“ die Frage, wie wir sicher sein können, wir selbst zu sein.

Warum verlieben wir uns, unter den vielen, in einen ganz bestimmten Menschen? Sind es die Pheromone? Muss man genetisch zusammenpassen? Oder kann es am Antidepressivum liegen, das die Gefühle hochleben lässt? „The Effect – A Clinical Romance“, ein Stück der jungen britischen Autorin Lucy Prebble, fragt, was mit Menschen passiert, die befürchten müssen, dass sie sich nur wegen eines Medikaments lieben. Andererseits: Ist nicht ohnehin alles Chemie in unserem Körper?

Das English Theatre in Frankfurt zeigt „The Effect“ (UA 2012) jetzt in einer Saison mit dem Psychiatriedrama „One Flew Over the Cuckoo’s Nest“, aber nun geht es um ein hochmodernes Labor, in dem freiwillige Versuchspersonen minutiös überwacht, untersucht, gescannt werden. Es ist klinisch sauber, Hirnscans, Blutwerte, Dosierungen laufen über einen Riesenbildschirm, Tristan und Connie tragen Legeres wie in einer Freizeiteinrichtung (Bühne und Kostüme: Anna Orton), allerdings auch ein Messgerät um die Brust. Connie ist Psychologiestudentin und war einfach neugierig. Nicht ganz klar ist, warum der lebhafte, leicht rebellische Tristan sich für den Medikamententest gemeldet hat, vielleicht braucht er das Geld.

Lucy Prebble macht ziemlich schnell klar, dass Connie und Tristan sich verlieben, auch schon bei noch niedriger Dosierung – oder möglicherweise nur einem Placebo, denn es gibt entsprechende Kontrollpersonen. Die freilich nicht wissen, dass sie das Antidepressivum gar nicht erhalten, die also ihren Gefühlen allemal misstrauen. Und Tristan flippt langsam aus, fühlt sich, als hätte er „das Wetter in sich drin“.

Ein bisschen zu ordentlich fügt die Britin ihre Figuren zu einem Quartett: Mit der Psychologin Lorna, die selbst unter Depressionen leidet, Medikamenten aber skeptisch gegenübersteht, und dem Versuchsleiter Toby, der überzeugt ist von Nutzen und Menschenfreundlichkeit solcher Pillen. Angedeutet wird, dass die beiden mal was miteinander gehabt haben könnten. Toby fühlt sich nicht ganz schuldlos an Lornas Depressionen, obwohl sie ihm keinen Vorwurf zu machen scheint. Gern aber würde sie wissen, warum eigentlich er sie jetzt angestellt hat.

„The Effect“ ist ein Stück, in dem natürlich ausführlich geredet wird, über das Wesen der Liebe ebenso wie über die Problematik wesensverändernder Medikamente. Regisseurin Audrey Sheffield bringt jedoch einiges an Bewegung hinein, wenn beispielsweise Tristan Connie zu einem nächtlichen Ausbüxen verleitet; in einer leerstehenden Halle gibt er den Breakdancer. Darin ist Nathan Welsh eindeutig Laie, aber der unbeholfene Enthusiasmus passt zur Figur. Zum überzeugenden Darsteller-Quartett gehören Rosie Wyatt (Connie), Rebecca Calder (Lorna) und Chris Porter (Toby, man kennt genau solche smarten Wissenschaftler-Auftritte). Sie spielen in einem Stück, das auch moralische und philosophische Fragen pfiffig anspricht – und zuletzt zum Selberdenken einlädt.

English Theatre,Frankfurt: bis 22. März. www.english-theatre.de

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