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Agnes Su und Jason Reilly in „Out of Breath“

Ballett im Streaming

Tanzstück-Videos: Hier tanzen Sie richtig

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Vor allem große Ballettcompagnien haben inzwischen ein fesches Streaming-Angebot.

Das Frankfurter Tanzpublikum war dank des Avantgardisten William Forsythe immer ganz vorne dabei, dies auch mit Choreografien, die fast auf Tuchfühlung gingen, in denen die Zuschauer aufgefordert waren, um die und zwischen den Tänzerinnen und Tänzern zu flanieren. Ach, das ist natürlich zur Zeit keine Option, noch nicht einmal ja das mäuschenstille Sitzen im Saal, während vorne fabelhafte Artisten schwitzen und schnaufen. Aber wie Opern- und Schauspielhäuser stellen auch einige große Ballettcompagnien inzwischen Aufzeichnungen ins Internet (die kleineres haben halt in der Regel keine, jedenfalls keine professionellen). Das Streaming ist gerade beim von der intensiven Anwesenheit der Körper geprägten Tanz ein Kompromiss. Aber: alles ist besser, als keinen Tanz gucken zu können. Oder nur das Wenige, was auf DVD erschienen ist.

Das ist zwar bei John Crankos Handlungsballett „Onegin“ der Fall (als DVD ganz neu bei Unitel Edition), aufgezeichnet mit den großartigen, preisgekrönten Solisten Alicia Amatriain und Friedemann Vogel, aber zwischen dem 1. und 3. Mai kann man über die Seite des Stuttgarter Balletts erstmal reinschnuppern – oder mehr als reinschnuppern, „Onegin“ (UA 1965) nämlich komplett und für lau schauen. Vorher kann (noch bis 22 Uhr am Sonntag) eine Choreografie des Schweden Johan Inger gestreamt werden, „Out of Breath“ zu Streichmusik von Jacob Ter Feldhuis, getanzt von den Stuttgartern. Inger ist wie sein Landsmann Mats Ek meisterhaft darin, Emotionen in Bewegung zu fassen (www.stuttgarter-ballett.de).

DasBayerische Staatsballett wird Anfang Juni die Aufzeichnung einer Gala mit Stars des glänzenden Münchner Ensembles auf www.staatsoper.tv stellen. Den genauen Starttermin fürs Video wird es zeitnah unter www.staatsballett.de geben.

Während das Staatsballett Berlin von seinem Leitungsduo schon vor Corona Knall auf Fall im Stich gelassen wurde und jedenfalls für den Moment abgetaucht ist, sind über die Seite der Berliner Festspiele (als Ersatz für ausgefallene Gastspiele) von der Belgierin Anne Teresa De Keersmaeker die Choreografien „Rain“, ein geradezu hypnotisch kreiselndes Stück, und „Achterland“ zu sehen, dazu eine Dokumentation zu „Rain“ (alles bis 29. April). Das 1990 entstandene, furiose „Achterland“ ist längst ein Klassiker der Tanzmoderne (auf www.berlinerfestspiele.de).

Die Deutsche Oper am Rhein kooperierte 2017 mit dem ZDF/3sat, so dass nun dank dieser Aufnahme bis zum 15. Mai Martin Schläpfers „Petite Messe solennelle“ zur gleichnamigen Komposition von Gioacchino Rossini gestreamt werden kann (operamrhein.de).

Das Hamburg Ballett von John Neumeier bietet auf seiner Seite nicht wenige der Werke des Chefs als Video-on-Demand. Für die Dauer von jeweils 48 Stunden zum Beispiel „Die Kameliendame“ (25. April, ab 16.30 Uhr), Neumeiers „Beethoven-Projekt“ aus dem vergangenen Jahr (30. April, 9. Mai), sein „Illusionen – wie Schwanensee“ (7., 16. Mai) und sein „Tod in Venedig“ nach Thomas Mann und zu Musik von Bach und Wagner (2. Mai, alles zu finden unter www.hamburgballett.de).

Und wenn Sie lieber selbst tanzen wollen, liebe isolierende Leserin, lieber isolierender Leser? Eric Gauthier, charmanter Chef der gleichnamigen, am Stuttgarter Theaterhaus beheimateten Dance Company, war wohl d

er erste, der auf Youtube ein „Wohnzimmerballett“ angeboten hat (problemlos zu finden unter den Stichworten: Eric Gauthier Wohnzimmerballett). Er macht Ihnen leichte, lustige Sachen vor, er gibt zum Beispiel den Affen – und Sie machen es Zuhause nach, zum eigenen Vergnügen oder dem einer weiteren Person.

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