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Die Ausstellung handelt vom Austausch („swop“) und Wandern der Menschen, Dinge und Ideen.

Junges Schauspiel Frankfurt

„Swop“: Dem Meer entspringt die Insel Pukapuka

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Das Junge Schauspiel machte aus der Ausstellung „Weltenbewegend“ im Weltkulturen-Museum das Theaterspiel „Swop“.

Vierzehn Jahre und älter ist das Elfergrüppchen von Theaterneulingen, das unter Anleitung von Martina Droste, Anna Stoß und Stephanie Endter (Konzept, Regie, Dramaturgie) im Weltkulturen-Museum auf die Ausstellung „Weltenbewegend: Migration macht Geschichten“ reagiert. Nach zwei Monaten Probezeit stellt es inmitten der Exponate von Raum zu Raum eigene Geschichten, Ideen und Spiele vor. Entstanden ist ein Parcours zum Ab- und Mitgehen: „Swop: Von-da-hier-her-dort-hin“.

Es ist die erste Kooperation beider Häuser. Los geht es mit einem aufrüttelnden Schrei des jungen Alexandre. Kaum schwingen im unteren Foyer die Reden aus, bricht er rufend durch die Zuschauermenge, eilt die Stiege empor und stößt das Ensemble an, sich bäuchlings über die Stufen zu uns nach unten zu schlängeln. Noch denkt man: das gute alte Körperentdeckungs-Spiel, da sprengen die Akteure Kritikers faule Erwartung und skandieren vielsprachig, auch in Latein, den Satz „Der Tag der Begegnung ist der erste Tag der Abreise“. Ein koreanisches Sprichwort soll das sein, was nicht automatisch heißt, dass Doi Park, selbst koreanischer Herkunft, später den Zauberschlüssel zur Erklärung parat hat. Doch erzählt sie kundig von linguistischen Merkmalen des Koreanischen.

Eine halbe Stunde bespielt die kleine Schar in Sneakers, Grautönen und ethnischen Varianten von Schals und Bändern die untere, danach die obere Etage. Rezitiert Mythen, tanzt zum Saitenspiel, dialogisiert über den Handel als Verbindendes und als Problem, erklärt sich zu Exponaten mit Archivnummer und festem Versicherungswert. Oben dann brechen sie chorisch ins „Gloria“ aus oder stellen eigene Glücksobjekte vom Stoff-Huskie zum Glücksbärchi vor, verhandeln ganz privat auf eigener Höhe das museale Pro und Contra ethnischer Kulturschätze in Museen und den eigenen „Fremd“-Anteil. Die eingebackenen Münzen der griechischen Oma etwa. Den Aufstieg zelebrieren sie, indem sie auf der Stiege nautische Gesänge jener Pazifikfahrer anstimmen, die seit 4500 Jahren die Südsee bereisen: „Mariua (Spica) heißt der Stern. In den frühen Morgenstunden stich in See und fliege auf den Wellen dahin... Dem Meer entspringt die Insel Pukapuka...“

Die Ausstellung handelt vom Austausch („swop“) und Wandern der Menschen, Dinge und Ideen. Die Plumpsack-Idee von der Migration als „Mutter aller Probleme“ (CSU) stößt unter Ethnologen ja auf wenig Sympathie. Beispiele wie wandernde Musikinstrumente und Mischreligionen zeigen hier das Positive, die Bereicherung, bilden aber auch ab, wie Fremdzuschreibungen an hybriden Identitäten vorbeizielen. Und jede Identität ist hybrid. „Homogen“ ist einfach eine alte Mischung, die vielleicht schon müffelt und eine Auffrischung vertragen könnte.

Am Ende tragen die Jugendlichen die Mythen der „Mommy Water“ und Meerjungfrauen vieler Völker und Traditionen vor, pars pro toto für unsere Welt-Sprache der endlos verzweigten Menschheitsmythen. Um jeden Zweig wäre es schade. Alle kommunizieren. Friedlich.

Im Weltkulturen Museum, Frankfurt: 31. Januar. 3., 7. Februar. www.schauspielfrankfurt.de

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