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Alles entsteht aus dem Nichts im Theatersaal.
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Alles entsteht aus dem Nichts im Theatersaal.

Digitaler Mousonturm

Theater für eine Welt auf Pause

  • vonMarcus Hladek
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Digitaler Mousonturm: Das feministische Performance-Trio Swoosh Lieu eifert Virginia Woolf nach.

ARoom of Our Own: eine Vorstellung für Browser und variables Publikum“ von Swoosh Lieu zeugt im Digitalen Mousonturm filmisch von der Pandemie-Misere unserer Präsenzkünste. Dem queer-feministischen Performance-Trio fällt zur Pandemie prompt Virginia Woolf ein und wie sie „ein Zimmer für sich allein“ zur Bedingung erhob, um als Schriftstellerin arbeiten zu können. Was das Trio Johanna Castell (Leitung, Ausstattung, Licht), Katharina Pelosi (Musik, Sounddesign) und Rosa Wernecke (Text, Schnitt, Kamera) uns vorführt, spitzt die Lage der Künstlerin ohne Raum in einer Art Meditation zur Grundsatzfrage nach Räumen und Mitteln für Frauen, Männer und Non-Binäre zu.

Den abstrakten Kamerafahrten im leeren Theatersaal hilft 34 Minuten lang Birte Schnöinks warme Sprechstimme in der Persona der von Woolf erfundenen Shakespeare-Schwester Judith auf: so begabt wie Willy, aber glücklos in patriarchaler Welt. Theaterräume werden aus dem Nichts der Greenscreens und 3D-Computerspiel-Stadträume erschaffen, wie bei Descartes’ „Ich denke, also bin ich“. Theaterleute wie Richard Southern und Peter Brook haben die cartesische Denkmethode vom gewissen Nullpunkt fürs Theater nachvollzogen. Auch das Damen-Trio zitiert Brook – als Problembär. „Ein Raum ist eine Bühne, wenn ein Mann ihn durchschreitet“, schrieb dieser, „und ein anderer ihm dabei zusieht.“ Ein Mann schaut einem Mann zu, und das ist dann Theater? Oops, nicht für die Techniknerds von Swoosh Lieu.

Sie wollen die Befreiungsmaschine Theater bei Gelegenheit von Covid-19 lieber umbauen, für utopische Welten des Neuen. Von der Einsetzung der Judith Sh. als „Gespenst des Feminismus“ geht es per Licht-Spot vor den roten Vorhang und die Lichtbatterien im Saal, dann in jede Richtung: per Hebebühne und fliegend in die Drohnenperspektive, als Komposit-Avatare hinter den Bildschirm, physisch zum Willy-Brandt-Theaterplatz, unter Gebell zu Prof. Woolf in ihrem Laborkittel. Als Ektogenese-Expertin stellt sie (Marianne Senne) die künstliche Gebärmutter im Sinn der Trans-Ideologie vor: nicht böse-männlich wie in Huxleys „Schöner Neuer Welt“, sondern Gender-befreiend auf dem Weg zur Jungfernzeugung.

Zurück im Theater, wird gleichsam das Globe Theater zur Discokugel. Wie uns Judith mitteilt, ist zwar leider alles „zum Privileg geworden“: Präsenz, Schritte, Blicke, Gesten. Wir aber werden wieder tanzen! Blitze über Frankfurt segnen den Abspann ein und, in dieser „Welt auf Pause“, das alte Theater aus.

Digitaler Mousonturm: bis 27. Januar. Tickets unter www.mousonturm.de

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