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„Die 39 Stufen“ in Darmstadt: Achtung, die zwei im Trenchcoat sind keine echten Polizisten. 

Krimikomödie

„Die 39 Stufen“ in Darmstadt: Im dicken Nebel von Amrum

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Antje Thoms inszeniert in Darmstadt Hitchcocks „Die 39 Stufen“ als überdrehte, bisweilen zu langsame Farce.

Der Roman „The Thirty-Nine Steps“ von John Buchan erschien 1915, der gleichnamige Film von Alfred Hitchcock kam 1935 heraus und war durchaus nicht als Komödie gemeint – wie sie jetzt in Darmstadt angekündigt ist. Heute jedoch sind die Wendungen einer solchen Thrillerhandlung in einem Maße zum Klischee geronnen, dass sie nur noch als Spielmaterial dienen können für eine, gern überkandidelte, Farce.

Mit Buchans/Hitchcocks „Die 39 Stufen“ als Krimikomödie versucht es jetzt die Regisseurin Antje Thoms im Kleinen Haus des Staatstheaters Darmstadt. Dies auch im Stil eines Kasperletheaters und mit drollig-ironischen Höhepunkten. Aber der zweidreiviertelstündige Abend hat Längen und verschenkt doch auch Gelegenheiten.

Hitchcocks „Die 39 Stufen“ als Krimikomödie

Zum Beispiel gleich zu Anfang die der Publikumsbeteiligung beim Auftritt des fabelhaften „Mr. Memory“, Stefan Schuster in einer von 14 Rollen. Dass die Fragen aus dem Saal vom Conférencier, Robert Lang, abgebogen werden müssen, versteht sich. Dass dann aber stattdessen der Name von Napoleons Pferd oder die Entfernung von Griesheim nach ... egal, abgefragt wird, hat keinerlei Witz.

In diesem Varieté muss schon ein Schuss fallen, ehe Bewegung in die Sache und die Inszenierung kommt. Die Handlung führt die Dame mit der Waffe (Nicole Kersten) in Richard Hannays (Béla Milan Uhrlau) Wohnung, dort hat sie kaum auf einen geheimnisvollen Professor auf Amrum hingewiesen (bei Hitchcock: in Schottland), da hat sie auch schon ein Messer im Rücken stecken – bzw. einen roten Stoffflecken plus Gummidolch auf das schicke irlandgrüne Abendkleid gepinnt (Bühne und Kostüme: Gregor Sturm). Unbedingt muss Hannay nach Amrum aufbrechen; mal ganz abgesehen davon, dass er unter Mordverdacht steht und also auf der Flucht ist.

Ausführlichkeit ist des Witzes Tod

Er wird noch gefühlte 23 Mal auf der Flucht sein, mit dem Zug, dem Fahrrad, über das Zugdach und durch ein Moor. Letzteres an Pamela gekettet, eine andere Schöne (auch wenn sie Nicole Kersten verflixt ähnlich sieht), mit der sich, da verraten wir nicht zu viel, ein Happy-end anbahnt. Lang wirft sich ihnen - „schlonz, schlürfz“ - als „Morastige Stelle“ vor die Füße, ist in Sekundenschnelle ein Wasserfall, eine Felsspalte, ein Dornbusch.

Mit vier (famosen) Darstellern kommt Antje Thoms aus, und zu deren Hampel- und Umzieh-Kunststücken liefert Jan-S. Beyer mal Geräusche, mal Zirkusshow- oder fetzige Action-Musik. Die Bühnentechniker sind gut beschäftigt – Pappmachee-Zug reinrollen, Plastikschäferhund Billie Marleen raustragen. Nebelmaschine und Windmaschine anwerfen usw. usf. – und man sieht das auch. Die Mechanik des Theaters wird lässig offengelegt. Offen liegen aus Jux bisweilen auch die Nerven der Akteure: Rabäh, der hat mich getreten ...! Zum Streik kommt es glücklicherweise nicht.

Das wäre dann doch schade. Obwohl noch eine Szene durchzustehen ist, zäh wie Kaugummi: Hannay landet auf der Flucht in einer Wahlkampfveranstaltung und muss eine Rede halten. Zuvor murmelt einer Unverständliches, wird umständlich ein Transparent am Vorhang befestigt, das immer wieder runterfällt. Die Ausführlichkeit ist oft mal des Witzes Tod.

Staatstheater Darmstadt:8., 13., 14., 22. Februar, 5., 13., 22 März. www.staatstheater-darmstadt.de

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