Theaterperipherie Frankfurt

Straucheln, stürzen, glauben, lieben

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Der Theaterperipherie Frankfurt gelingt mit Hadi Khanjanpours "Allah liebt man(n)" eine berührende Tanzpoesie über Homosexualität und Islam.

Es geht oft laut zu in der Frankfurter Theaterperipherie. Wenn Gewalt verhandelt wird und Extremismen, wenn Wut aus jungen Menschen herausbricht und das Ensemble chorisch spricht oder brüllt. Wenn Rap aus Boxen dröhnt und das Publikum aus der Passivität gezwungen wird.

Die neueste Inszenierung des kleinen freien Theaters hingegen ist eine der leisen Töne und wenigen Worte. Entfaltet aber mit einer atemberaubend intensiven Körperlichkeit große emotionale Wucht. Der aus vielen Theaterperipherie-Produktionen bekannte Schauspieler und Regisseur Hadi Khanjanpour hat das Stück „Allah liebt man(n)“, das er treffend einen „poetischen Tanz“ nennt, geschrieben und darin Verse des persischen Sufi-Mystikers Rumi verarbeitet. Der doppeldeutige Titel verweist dabei bereits auf das kontroverse Thema, das er mit viel Fingerspitzengefühl verhandelt: Homosexualität und Islam, Glauben und ein verboten geglaubtes Begehren.

Auf der requisitenfreien Bühne begegnen sich zwei Männer (Oliver Konietzny und Amin Biemnet Haile). Im Dunkeln zunächst, erst langsam wird das Schwarz der Bühne spärlich ausgeleuchtet, schärfen sich die Konturen der zwei tanzenden Körper. Aufrecht, ruhig der eine (Haile), strauchelnd, stürzend, atemlos suchend der andere (Konietzny). Bis sie erstmals sprechen, bis der bärtige Haile sich mit Rumis Worten als „König der Liebe“ zu erkennen gibt, dessen Seele „von Lust befreit“ ist, vergeht viel Zeit, die auch gefüllt wird von der angenehm unaufdringlichen Musik, von Gesang, Cajon- und Gitarrenspiel Ashkan Hasiris.

Doch die Verse und Dialoge, die Khanjanpours Figuren als einen im Glauben Gefestigten und einen jungenhaften Suchenden skizzieren, erklären ohnehin wenig, umreißen sie und ihr Verhältnis zueinander eher in Andeutungen. Ein spiritueller Lehrer und sein Schüler, der im Glauben Halt findet, werden sie offenbar. Bis sich Liebe und Begehren einschleichen und Verzweiflung, die beide nach sich ziehen.

Seine starke Wirkung entfaltet das Stück vor allem aus dem Unausgesprochenen, das zwischen den Darstellern entsteht, ihrer starken Präsenz und einem von Katharina Wiedenhofer choreografierten, wunderbar ausdifferenzierten Bewegungsrepertoire. Da schwingen Zärtlichkeit und Schmerz zwischen zwei schweigend und schweratmend nebeneinander liegenden Körpern, wo ein Kuss aus dem Kampf entsteht und der eine den anderen erst trägt und dann fallen lässt.

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