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Er war ein Superstar, er war populär, er war exaltiert: Aber womit hat Falco ein solches Musical verdient?

Falco-Musical

Starfledderei auf niedrigem Niveau

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Ein liebloses Falco-Musical in der Alten Oper Frankfurt bietet Knallchargendialoge gespickt mit Kalauern, die Bärte in ZZ-Top-Länge haben.

Irgendwann wird auf der Bühne ein Demo-Band im Aiwa-Walkman vorgespult. Aus den Lautsprechern der ausverkauften Alten Oper klingt das Gezwitscher einer „MusiCassette“. Erkennendes Gelächter. Leider ist damit der treffendste, weil feinsinnig nostalgische Moment im Falco-Musical schon beschrieben.

Sterben wie James Dean wolle er, kündigt Falco in einem der hölzernen Dialoge an. Dass der wohl größte Popstar, den Österreich je exportierte, dieses Ziel erreichen wird, wissen wir da längst: Das Musical beginnt vor den Trümmern des Autos, in dem Johann „Hans“ Hölzel alias Falco am 6. Februar 1998 starb. Hölzel wäre heuer, am 19. Februar, 60 Jahre alt geworden. Vor Tagen spekulierte eine Fernseh-Doku, Falco sei 1998 in der Dominikanischen Republik, wo er damals lebte, in eine gewisse Selina verliebt gewesen. Weil deren Vater ihr den Umgang untersagte, sei er nach zwei Jahren Entzug wieder den Drogen verfallen. Er fuhr mit Koks und Alkohol im Blut in den Tod.

Ob’s stimmt? Eh wurscht, täte der Wiener wohl schmähen, Hauptsach a scheene Leich’, in diesem Fall ein knallbuntes 80er-Jahre-Kostümspektakel. Solche Starfledderei ist gerade en vogue, allein in Frankfurt stehen in den nächsten Wochen ein Whitney-Houston- und ein Boney-M.-Musical an.

Hoffentlich sind die mit mehr Sorgfalt gezimmert als das Falco-Werk, das an Banalität kaum zu unterbieten ist. Knallchargendialoge gespickt mit Kalauern, die schon in den 80ern Bärte in ZZ-Top-Länge trugen („Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein die Nerven“). Vorgetragen mit der Zappelgestik und dem übertriebenen Tonfall einer Amateurkomödiantentruppe.

Reduktion auf Klamauk

Der Stoff gäbe mehr her: Junger Österreicher steigt rasant zum Musikstar auf, lebt exzessiv bis zum frühen Tod – „Amadeus“ halt. Doch das Musical reduziert Exzentrik und Morbidität auf Klamauk wie die Personifizierung von Eros und Todessehnsucht durch zwei Damen in Weiß (Jeanny) und Schwarz (Ana Conda).

Das Gehampel karnevalskostümierter Karikaturen etwa von Elvis, den Beatles, Janis Joplin, David Bowie und Jake und Elwood Blues sollen den „ersten weißen Rapper“ Falco auf Pantheon-Niveau hieven. Doch auch dessen Hits, vom Drogenrausch der Hauptstadt-Hedonisten in „Ganz Wien“ über den Skandalsong „Jeanny“ bis zum postum veröffentlichten „Out of the Dark“ bleiben hier weit hinter den Originalen des Musikers zurück.

Alexander Kerbst legt zwar in der Titelrolle eine achtbare Falco-Nachahmung hin. Aber glanzlose Imitate von Popjuwelen in einer zusammengestümperten Billigblech-Fassung ergeben halt kein Schmuckstück. Sondern Schrott.

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