1. Startseite
  2. Kultur
  3. Theater

„Star Dust“ in Frankfurt: Mehr Staub wäre besser

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Hladek

Kommentare

Das „CCB“ in Aktion. Foto: Sharen Bradford
Das „CCB“ in Aktion. © Sharen Bradford/ dba The Dancing Image 2018

Das „Complexions Contemporary Ballet“ mit einem Bowie-Bach-Programm in der Alten Oper Frankfurt

Ist es albern, einem auf Kontrast gebügelten Tanzprogramm vorzuhalten, Teil 1 sei zu klassisch gehalten und steche gar zu sehr vom Pop-geprägten Teil 2 ab? Ja, wenn es nur so simpel wäre mit dem, was Dwight Rhoden vom New Yorker „Complexions Contemporary Ballet“ mit seinem Zweiteiler aus „Bach 25“ und „StarDust“ in je gut vierzig Minuten anstellt. Aber das ist es natürlich nie.

Ein Schritt zurück. Das Wort „complexions“ bedeutet Teints, im Plural. Da sich von der Gründung des „CCB“ durch Rhoden und Desmond Richardson im Jahr 1994 kaum sprechen lässt, ohne auf beider Tänzerjahre in der afroamerikanischen Vorzeige-Company des Modern Dance einzugehen, dem Alvin Ailey American Dance Theater, das als Nationaldenkmal vom Range des Mount Rushmore gilt, lässt sich erahnen, dass das Leitungsduo seinen Ableger angesichts solcher Namenswahl als freieren Mix aus Techniken, Stilen, kulturellen Einflüssen und wohl auch Hautfarben versteht.

Was sich das „CCB“ vom „AAADT“ bewahrt, wenn der Anblick des Ensembles nicht trog, ist etwa die muskulär kräftigende Übungstechnik, die Oberkörper von Mapplethorpe-Zuschnitt hervorbringt. Dazu eine gewisse Schnörkellosigkeit bei aller Anmut und Eleganz. Andere Bestandteile der „AAADT“-Ästhetik scheinen dagegen abgelegt.

Geht es nach dem Doppelabend „From Bach to David Bowie“, ist Rhoden wie das „AAADT“ auch alles andere als festgelegt auf abstrakt-formelhafte Brummkreisel-Elektronik als Begleitmusik, wie man sie sonst so oft hört. In beiden Stücken bedient er sich vorgefundener Klänge: vor der Pause bekannter Bachwerke vom Konzert übers gesungene Magnificat bis zum Cello- und Cembalostück, nach der Pause des halben Bowie-Songbooks nicht nur im Zeichen Ziggy Stardusts.

Und da beginnt das Problem, das ein Problem des Sekundären sein mag. Nichts gegen Bowie, aber wenn man sich schon einen super-populären Glamour-Rockstar als Aufhänger wählt, muss man sein Tanzstück dann auch noch als Konzert mit karpfenhaft stummen Fake-Mundbewegungen in papageienbunten Glitzerkostümen inszenieren, als wär’s die 147. Bowie-Covershow zwischen Broadway und Jahrhunderthalle? Der Mann ist tot: lasst ihm seine Ruhe oder aast klüger an ihm rum, statt besseren Videoclip-Gebrauchstanz darüberzulegen.

Ähnliches gilt für den Bach-Teil, dessen Titel „Bach 25“ aufs „CCB“-Jubiläumsjahr 2018 anspielt. Fein, dass Johann Sebastian Rhodens Lieblingskomponist ist und er Bachs Kombi aus Abstraktheit, Körperlichkeit und Emotionalität rühmt, die so gut zum klassischen Ballett und dem eigenen athletischen Choreografierstil passt.

Auf den nicht-amerikanischen Kritiker mutete der allzu strikte klassische Ballettstil in superknappen Tanzkostümen jedoch so lückenlos Modern-Dance-abgewandt an, dass ihm das Klassische daran wie die rigorosen US-Kleidervorschriften zu einem beliebigen sozialen Anlass vorkam. Mehr Sand und Schotter bitte: mehr Kontamination, mehr Ballett-Moderne-Mix – das hätte der Sache gutgetan. Was auf keinen Fall die Leistung der Tänzer herabsetzen soll, etwa der hochgeschossenen Jillian Davis und von Joe González.

Alte Oper Frankfurt: bis 16. Juli. www.alteoper.de

Auch interessant

Kommentare