Bald mögen Adam und Eva, äh, Bob und Helena sich, dass die Bäumchen wackeln.
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Bald mögen Adam und Eva, äh, Bob und Helena sich, dass die Bäumchen wackeln.

Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz: Windstille Turbulenzen

  • vonStefan Michalzik
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Das Staatstheater als Sommerbühne: Die Komödie „Eine Sommernacht“ im Hof des Landesmuseums Mainz.

Eine Zufallsbegegnung. Ein One-Night-Stand dem ersten Anschein nach, aus einem Augenblick der Frustration beim weiblichen Teil heraus geboren. Mit einem, von dem sie denkt, dass er „so was von nicht mein Typ“ ist. Am Ende werden die beiden sich kriegen. Das kann man getrost gleich vorneweg sagen, ohne die Leserin als eventueller Zuschauerin einer Spannung zu berauben, es ist ohnehin von vornherein klar.

Auch das Mainzer Staatstheater wartet derzeit mit klein besetzten Stücken auf und spielt nun im Innenhof des Landesmuseums die romantische Komödie „Eine Sommernacht“ von David Greig und Gordon McIntyre.

Bei dem Stück handelt es sich um Erzähltheater, stellenweise mit Klipp-Klapp, also kurzen, aneinandergereihten Dialog- oder hier vielmehr: Erzählfetzen. Bob, Daniel Mutlu, ist ein Kleinkrimineller auf der Schiene des ewigen Verlierers, Helena, Maike Elena Schmidt, eine – solch ein Zufall! – Scheidungsanwältin; sie steckt in einer unglücklichen Verbindung mit einem verheirateten Mann.

Im Verlauf des knapp anderthalbstündigen Abends klingt so manches an existenziellen Lebensfragen kurz an, doch bleibt das alles so trivial wie in einem Sonntagabendfilm im ZDF. So hat beispielsweise Bob einst einer Schwangerschaft wegen sehr jung geheiratet und ist heute ein für den Sohn abwesender Vater. Tja. Hat man schon öfter gehört, und den beiden Autoren gelingt es über das ganze Stück hinweg nicht ein einziges Mal, einen ernstlich zu irritieren und zum Nachdenken anzuregen.

Überdies sind es letztlich recht windstille, weil zu klischeehafte Turbulenzen, durch die das Paar in spe geschickt wird, von einem schlagkräftigen Geldeintreiber, der Kleingauner Bob zusetzt, bis zum Umstand, das Helena am Morgen nach der anständig alkoholisierten Sexnacht als Brautjungfer bei der Hochzeit ihrer Schwester sich auf die Treppenstufen der Kirche erbricht.

Da ist man beinahe geneigt zu sagen, dass die beiden famosen Schauspieler sich unter dem jungen Regisseur Mark Reisig zu viel vergebliche Mühe damit gemacht haben. Mit dem Ergebnis einer Aufführung, die man sich bei einem Glas Wein ungeachtet einiger Durchhänger – wenn das Stück schon derart boulevardflach ist, bräuchte es an manchen Stellen einfach mehr Tempo – mit einem gewissen Amüsement anschauen kann.

Im Verborgenen einer im Museumshof vorgefundenen, quasi komprimierten Parkanlage lässt sich ungezügelter Sex mit auffliegenden Textilien und ruckelnden Bäumen simulieren. Das ist hübsch. Und führt zu viel Heiterkeit im Publikum. Ansprechend im Übrigen Maike Elena Schmidt als Sängerin von Folkpopsongs zur Ukulele.

Den größten Gewinn allerdings stellt am Ende dieser wunderbare neue sommerliche Spielort dar. Den sollte das Staatstheater beibehalten.

Staatstheater Mainzim Innenhof des Landesmuseums Mainz: 25.-28. Juni, 2.-4. Juli. www.staatstheater-mainz.com

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