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Das Damentrio und ein Gast: Viktoria Brams, Christiane Hecker, Achim Wolff, Christiane Rücker. 

Komödie Frankfurt

„Spätlese“ in der Komödie Frankfurt: Tag für Tag und noch ein Tag

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Szenen aus dem Altersheim: Die Komödie Frankfurt geht mit „Spätlese“ in die Saison.

Wenn drei reife Damen Tag für Tag im Altersheim zusammensitzen und die Zeit totschlagen, sind die Themen oft ähnlich: Beerdigungen, Krankheiten, die Männer der verschiedenen Lebensphasen. So auch in der Seniorenresidenz „Abendrot“. „Spätlese“ hat der Berliner Autor Folke Braband seine Version einer solchen Wohngemeinschaft genannt. Die Schweizer Regisseurin Pia Hänggi hat sie zum Auftakt der Spielzeit auf die Bühne der Frankfurter Komödie gebracht.

Nicht nur weil „Marienhof“-Darstellerin Viktoria Brams erneut zu den drei Hauptdarstellerinnen gehört, werden Erinnerungen an die „Golden Girls“-Geschichten vor fünf Jahren an gleicher Stelle wach. Tom Grasshof hat ein liebevoll eingerichtetes Zimmer als zentralen Treffpunkt des Trios arrangiert, eines, das mit Korbelementen und vielen Pflanzen ein angenehmes Bild von einem Aufenthaltsort für die fortgeschrittene Generation bietet. Doch das vermag nicht zu beschönigen, dass der mehr als zweistündige Abend darüber hinaus wenig Einfallsreiches bietet und so beim Vergleich mit der sehr ähnlichen Konstellation, die damals zumindest phasenweise zum Wortwitz des TV-Vorbilds fand, den Kürzeren zieht.

Vergesslich, aber redselig

Die Handlung wabert ziellos vor sich hin. Dass die äußerst vergessliche Agnes (Christiane Hecker) immer wieder rücksichtslos die Gespräche unterbricht, um sie über das im Fernsehen Gehörte zu informieren, zehrt an den Nerven. Die Fragen aus „Wer wird Millionär?“, die sie gerne beantwortet haben würde, zählen, selbst wenn sie der Realität entliehen sein sollten, nicht zu den witzigsten, mit denen die Gäste bei Quizmaster Günther Jauch konfrontiert sind. Als dann auch noch die Angebote aus dem Shopping-Kanal zur Unterhaltung herhalten müssen, würde man gerne die Fernbedienung finden.

Christiane Rücker spielt eine selbstherrliche Bühnendiva, die der vergangenen Karriere nachhängt, in rauschender Garderobe (Kostüme: Petra Freimuth-Panosch) Klassiker zitiert und glaubt, zumindest privat noch eine positive Wende vor sich zu haben, als ein ehemaliger Kollege (Achim Wolff) aufschlägt und sie zu umwerben scheint. Die gutherzige Maria (Brams) erfindet Lügengeschichten über ihre Beziehung zu der einst weggegebenen Tochter Natalie (Anna Kretschmer), die sich nach einem ersten Überraschungsbesuch nicht mehr blicken lässt. Und der neue Pfleger Patrick (David Imper), der als verurteilter Kleinkrimineller lieber Tee serviert und schlecht gewordene Pralinen herumreicht, als im Knast zu sitzen, wird von den geübten Kartenspielerinnen in eine Strippokerpartie mit vorhersehbarem Ausgang verstrickt.

Esprit lässt sich nicht herausquetschen, abgesehen von vereinzelten der Altersdemenz geschuldeten Sprüchen. Immerhin fühlt man im Laufe der Zeit recht gut mit den auf wenige Tageshöhepunkte wartenden Rentnerinnen.

Termine

Komödie Frankfurt: bis 27. Oktober. www.diekomoedie.de

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