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„Solos and Duets“ von Meg Stuart in Frankfurt: Innere und äußere Tumulte

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Von: Sylvia Staude

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„Solos and Duets“ von Meg Stuart im Mousonturm Frankfurt: hier Claire Viviane Sobottke in „Oh Yeah Huh“. Foto: Eva Würdinger
„Solos and Duets“ von Meg Stuart im Mousonturm Frankfurt: hier Claire Viviane Sobottke in „Oh Yeah Huh“. © Eva Würdinger

An die Grenzen gehen: „Solos and Duets“ der Choreografin Meg Stuart im Mousonturm.

Zwar wurde die Choreografin Meg Stuart 1965 in New Orleans geboren, geprägt aber wurde sie vor allem durch die in den 90ern vielleicht avantgardistischste, sicher am vehementesten mit dem Körper arbeitende Tanzszene, nämlich der Belgiens. Auch Meg Stuart ging an Grenzen, dekonstruierte, was das Zeug hielt, zeigte den Menschen als mitgerissen, als von Kopf bis Fuß beherrscht von inneren Tumulten, die sich körperlich äußern.

Auch im Frankfurter Mousonturm war sie über die Jahre regelmäßig zu Gast mit ihrer Company Damaged Goods. Jetzt gibt es dort eine Art Rückblick auf ihr Werk, in Form von „Solos and Duets“, Auszügen, die diversen Stücken entnommen sind: Meg Stuarts einfallsreiche wie rabiate choreografische Handschriften in einer Nussschale von insgesamt 75 Minuten Dauer.

Noch relativ jung, von 2016, ist „Inflamável“ (dt. feuergefährlich). Der Tänzer Márcio Kerber Canabarro trägt Stelzen, ohne auf den Stelzen zu gehen, die Tänzerin Vânia Rovisco ein schwarzes Tutu, beide Motorradhelme. Sie sind biegsam, aber nicht unbeschwert, gefährdet wie gefährlich. Wie die Hebel einer Maschine packt Rovisco öfters die Stelzenenden, ein Tisch dient Canabarro als prekäres Turninstrument. Nur kurz nehmen sie die Helme ab und starren trotzig ins Publikum.

Einen von mysteriösen Kräften in alle Richtungen verschobenen, gepressten und gezerrten Körper zeigt Claire Vivianne Sobottke in „Oh Yeah Huh“ (1995). Dagegen gibt es in „Dust“ (2012, es tanzt Maria F. Scaroni) schon fast heitere, an die spielerische Leichtigkeit Merce Cunninghams erinnernde Bewegungssequenzen. Mit dem Schlagzeuger Jordan Dinsdale kommt noch einmal Kerber Canabarro auf die Bühne, „Signs of Affection“ ist von 2011.

Sein Kopf fliegt hin und her, seine Hände wedeln vor dem Gesicht, lidschlagschnell, angetrieben vom Trommelwirbel. Dann geht der Musiker, dem Furor folgt die Langsamkeit, die „Zeichen der Zuneigung“ muss der Tänzer sich aber selbst geben. Und schließlich, ein Auszug aus „Until Our Hearts Stop“, 2015, zwei nackte Frauen (Scaroni und Sobottke) im Ringkampf, auf den Körper der anderen und den eigenen klatschend. Sie sind grob, aber es könnte Ausgelassenheit sein, ein Spiel der gegenseitigen Herausforderung, in das auch das Publikum eingeschlossen ist.

Mousonturm Frankfurt: 2. April. www.mousonturm.de

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