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Der Bürger-Capitain (Michael Quast) ist stark am Glas - und behält dennoch gerne den Überblick. Andreas Malkmus
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Der Bürger-Capitain (Michael Quast) ist stark am Glas - und behält dennoch gerne den Überblick.

Theater-Premiere

Frankfurter Fliegende Volksbühne: Slapstick am Stammtisch

  • Sophie Vorgrimler
    VonSophie Vorgrimler
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Die Fliegende Volksbühne Frankfurt zeigt den Mundart-Klassiker„Der alte Bürger-Capitain“, von Goethe einst „höchlichst empfohlen“.

Besser man lässt es nach einer Entführung aussehen, wenn die Nichte mit dem Falschen durchbrennt – zu viel neugieriges Geschwätz im Frankfurt von 1814.

Insbesondere in der Gaststube von Kimmelmeier, dem Capitain eines Stadtquartiers, wird sich der Mund zerrissen – natürlich auf Hessisch: Wer mit wem, warum brennt’s und ob wohl die Todesanzeige Auskunft darüber gibt, welche Krankheit „an der irdischen Hülle“ eines stadtbekannten Kernseifen-Fabrikanten „genascht“ hat? Nein, in ihr erfährt man nur, wie die trauernde Familie mit Kernseifen-Einkäufen unterstützt werden kann. Viel Gebabbel, aber Hauptsache der Äppler ist halbvoll und Tochter Lissi und Nichte Gretchen warten ab, welchen Partner Kimmelmeier für sie ausguckt – und nicht umgekehrt.

Theater-Premiere an der Fliegenden Volksbühne Frankfurt: Hessisches Französisch klingt eher Spanisch

So ähnlich hat das Stück „Der alte Bürger-Capitain oder Die Entführung“ von Carl Malß 1821 auch Frankfurts bekanntester Bürger gesehen und für unterhaltsam befunden. „Höchlichst zu empfehlen“ habe Goethe dazu notiert, heißt es im künstlerischen Beiheft „Physionomika Hansworstika“ zur neuen Inszenierung, die am Donnerstagabend in der Fliegenden Volksbühne am Großen Hirschgraben Premiere feierte. Vier Anläufe habe es wegen der Lockdowns gebraucht, bis es gelungen sei, das Mundart-Stück nun auf die Bühne zu bringen, berichtet Regisseur und Theaterleiter Michael Quast bei der Begrüßung, bevor er selbst in die Rolle des Bürger-Captains schlüpft.

Eine schlicht gestaltete Bühne, die Requisiten traditionell frankfurterisch: Kartoffeln und blau-graue Keramikhumpen. Acht Schauspielerinnen und Schauspieler, teils in mehreren Rollen, super kess, bilderbuchartig tantenhaft oder in schönster Volltrunkenheit. Gute Grundlage für Slapstickmomente und Stammtischlehren. Drei Anläufe braucht es, bis der lallende Mund statt „Zwibbl“ die Wörter „zu Vilbel“ formen kann, und das in einer Situation, in der es wirklich darauf ankommt. Nicht gebürtige Frankfurterinnen und Frankfurter kommen auch ohne Untertitel gut durch das Stück – notfalls kann man sich im Hessischen scheinbar vieles aus der feinsten Sprache ableiten: Französisch. „Der Jubel brach los!“, erinnerte sich später der Theaterdirektor Carl Balthasar Malß (1792–1848) an die Uraufführung am Mundarttheater in Frankfurt. In seinen persönlichen „Skizzen aus seinem Schauspielerleben“ werden während der Inszenierung Passagen zitiert. Demnach war das Stück Grundstein des Mundarttheaters in der Stadt, in dessen Tradition sich die Fliegende Volksbühne bewegt.

Theater-Premiere an der Fliegenden Volksbühne Frankfurt: Malß wurde vor 200 Jahren ein Flop prophezeit

Vor 200 Jahren sei Malß prophezeit worden: „Heunt werdd ihr All’ ausgepfiffe“ – stattdessen beschreibt er fast ekstatische Freude unter den Zuschauenden. „Das waren noch Zeiten“, bemerkt auch Quast. Aber auch 2021 wird das Gekicher unter den Freunden der Volksbühne bei der Premiere mit großem Applaus abgerundet.

Es ist eine Karikatur der Einfachen und der Einflussreichen – noch mehr Ersterer, die sich für Zweiteres halten. Beim alten Kimmelmeier, stolz wie eine Taube, die sich für einen Pfau hält, sitzt selbst bei einem Feuerausbruch die Amtsträger-Kleidung, wie es sich gehört. Aber Tochter und Ziehtochter bringen sein Selbstverständnis durcheinander. (Sophie Vorgrimler)

Die Fliegende Volksbühne, Frankfurt: 25. September, 8./9. Oktober. www.volksbuehne.net

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