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„Showtime“ am Staatstheater Darmstadt: Die Theater-Jukebox

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Von: Sylvia Staude

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In Pose: Hans-Christian Hegewald.
In Pose: Hans-Christian Hegewald. © Sinah Osner

„Showtime“, ein Darmstädter Abend mit Hans-Christian Hegewald

Vor Premierenbeginn erlaubt sich Darmstadts Intendant Karsten Wiegand einen kleinen Scherz mit dem Publikum: Sängerinnen und Sänger seien wegen Corona kurzfristig ausgefallen, nur eine Person von „Showtime“ sei in einer eigenen „Blase“ gewesen und könne darum jetzt auftreten, nämlich der Schauspieler Hans-Christian Hegewald. Allerdings wundert sich die Kritikerin sogleich: hat man nicht einen Soloabend gebucht? Und lautet der Untertitel nicht „ein enttäuschender Abend“? Ersteres stimmt. Letzteres, so wird sich nach einer guten Stunde herausgestellt haben, stimmt auch ohne weitere Akteure ganz und gar nicht.

Felix Krakau, der auch Regie führt, hat den Text geschrieben für „Showtime“, ein munteres, albernes, lustiges, aber dennoch keineswegs nur leichtgewichtiges Alleinunterhalterstückchen, uraufgeführt nun in den Kammerspielen. Hegewald, im rosa- und goldfarbenen Kreuzfahrtschiff-Entertainer-Outfit (Kostüm Vanessa Wujanz), stellt sich als Einspringer in allen Lagen und „Universalschauspieler“ vor (er hat selbstverständlich eine Weiterbildung gemacht), empfiehlt sich als lebende Theater-Jukebox.

Es gibt ein paar Takte „Richard III.“, aber so ein Bösewicht passt wohl trotz Einsatzes der Nebelmaschine nicht so gut auf diese kleine, nur mit einem weinroten Vorhang umrandete Bühne (Ansgar Prüwer). Dann gibt es ein wenig „Romeo und Julia“. Aber wie soll Romeo/Hegewald mit einer Zuschauerin in Dialog treten, die den Text ja gar nicht weiß, wie mit ihr „’ne ehrliche Beziehung“ aufbauen?

Ginge es so weiter, der Witz würde sich schnell erschöpfen. Aber „Showtime“ gibt bald eine Ahnung vom Stress beim Vorsprechen. Von der Enttäuschung, immer ins gleiche Rollenfach gesteckt zu werden – ist dieser Schauspieler nicht ideal als „zwielichtiger Betrügertyp“, fand man schon auf der Schauspielschule. Das sagt natürlich vor allem etwas aus über die, die in Film, Fernsehen und auf der Bühne das Casting machen.

Vom Scheitern als Schauspieler geht es zum allgemeinen Scheitern. Von den Sternen über Schimmel im Teleskop bis zum Erfinder der Karaokemaschine, Daisuke Inoue, der sich das nicht patentieren ließ und also keinen Cent daran verdiente. Aber wussten wir, dass John Lennons „Imagine“ das erste für Karaoke verfügbare Lied war? Wussten wir nicht, müssen aber prompt daran denken, wie es bis heute nichts geworden ist mit dem Frieden auf der Welt. Das Staatstheater Darmstadt sammelt übrigens für die Ukraine.

Staatstheater Darmstadt, Kammerspiele: 27. März, 6. April. www.staatstheater-darmstadt.de

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