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Frankfurt LAB: Die Tanzabteilung der HfMDK in Aktion. Foto: Valentin Fanel
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Frankfurt LAB: Die Tanzabteilung der HfMDK in Aktion.

Tanzabteilung der Hochschule

„shifting perspectives“ im Frankfurt LAB: Tierähnliche Wesen

  • VonKatja Sturm
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Die Frankfurter Tanznachwuchs macht das Beste draus.

Die Masken sind allgegenwärtig. Das Publikum, auf einzelne nummerierte Sitze in einer Hälfte der Halle 1 des Frankfurt LAB verteilt, trägt sie ebenso wie die Tänzerinnen und Tänzer auf der anderen Seite. Die Zuschauerin kann so ein bisschen nachfühlen, wie es sein muss, den Körper durch Bewegung zu belasten, ohne ihn wirklich durchatmen zu lassen.

Die Studentinnen und Studenten der Tanzabteilung der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) halten diese besondere Anstrengung über zwei knappe Stunden nicht nur konsequent durch. Die Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie ziehen sich auch als Hauptthema durch den Abend, mit dem der Nachwuchs unter dem Titel „shifting perspectives/dis_dancing ctnd.“ gleichzeitig den 60. Geburtstag der eigenen Ausbildung zelebriert. Öffentliche Einblicke in die tägliche Arbeit zu geben, hat sich längst etabliert. In der Regel jedoch hängen die Kostproben nicht so stark zusammen und sind auch nicht so nahe an der Gegenwart orientiert wie in diesem von der Krise geprägten Jahrgang.

Ins Anschauliche übersetzt

Am ehestens tanzt unter den sechs neuen Choreografien noch Regina van Berkels „dream cage“ aus der Reihe. Die Reminiszenz an den amerikanischen Komponisten splittet seine Sonatas and Interludes in harmonische und schrägere Phrasen, für die jeweils eine Kleingruppe steht. Das Charakteristische des Hörbaren wird ins Anschauliche übersetzt, indem die einen einander klassisch umwerben, die anderen, in bunten Kostümen, in grotesker Manier einen Tisch belegen. Gemeinsam ergibt sich ein neues, ausgeglichenes Zusammenspiel.

Die Experimente mit der Dynamik, zusammengefasst unter dem Titel „movement study“ und vorgegeben von Evangelos Poulinas, mit denen ein Quartett aus den höheren Semestern das Programm eröffnete, werden so nur scheinbar fortgesetzt.

Dazwischen findet sich „Perfect Day“, ein Stück von Marguerite Donlon, in dem sich vieles wiedererkennen lässt, was seit Monaten den Alltag prägt. Von dumpfen Schlägen getrieben, suchen sich neun Viertsemester auf der Bühne ihre eigenen Wege, mit den Verhältnissen klarzukommen und daraus Inspiration zu ziehen. Arme und Hände testen hinter den Rücken die Grenzen des Spielraums aus, Köpfe rucken isoliert vom Rumpf wie die Einzelteile von Maschinen. Ein Ringen nach Atem durchbricht den Anpassungsprozess wie ein Befreiungsschrei.

Nach der Pause wird das Online-Training aufs Korn genommen. „staging_rehearsal_excerpt_ from_a_film“, von den Vorführenden selbst zusammen mit Katja Cheraneva entworfen, beginnt mit dem Versuch, sich Bewegungen von einem in der Mitte stehenden Laptop abzuschauen. Immer mehr verwandeln sich die Trainierenden in tierähnliche Wesen, quietschen, quaken und gurren komisch dazu. Düster, fast bedrohlich wird’s danach in Sada Mamedovas Debüt „FORGET how much IT hurts and try again“, während ausgerechnet bei den abschließenden Schattenspielen „Skiès“ von Toula Limnaios Helligkeit dominiert. Kanonartig agieren Originale und Doppelgänger, als würden die einen den anderen hinterherhinken. Sie fallen und richten sich immer wieder auf. Ein lebensnaher Appell weiterzumachen, auch wenn es schwierig ist. Und im Negativen Impulse und Chancen für die Kunst zu finden.

Frankfurt LAB: bis 26. Juni. www.mousonturm.de

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