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Sieht so eine Hexe aus?
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Sieht so eine Hexe aus?

Theater

She She Pop in Frankfurt: Flugsalbe auf die Wunden

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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„Hexploitation“: Das Theaterkollektiv She She Pop über das Bild der alternden Frau.

Das Theaterkollektiv She She Pop, in den 90ern gegründet, ist im wahrsten Sinn des Worts in die Jahre gekommen – und beschäftigt sich darum in seinem jüngsten Stück „Hexploitation“ mit dem Altern im Allgemeinen und der Menopause im Besonderen. „Wir sind gereizt“, lautet eine Ansage. Gereizt vor allem darüber, dass die ältere Darstellerin von den Bühnen, aus den Filmen dieser Welt verschwindet, allenfalls noch die Hexe/Hysterikerin geben darf. Und dass die Wechseljahre nicht für „erzählwürdig“ gehalten werden. Glücklicherweise haben sich die She She Pops ihren Arbeitsplatz selbst geschaffen, so dass ihnen nun keiner den gloriosen bzw. schonungslosen Auftritt verwehren kann.

Das Frankfurt LAB, wo sie auf Einladung des Mousonturms mit „Hexploitation“ gastieren, wird sich immer mehr in eine bilderflimmernde Höhle verwandeln, in der sie ihre Haut offensiv zu Markte tragen. „I’m ready for my close-up“ wird zum Kampfschrei, Stirnfalten, gerötetes Auge, runder Bauch, wabbeliger Po, Geschlecht werden in die Kamera gehalten, um in Großaufnahme wiederzukehren. Ihre live gefilmten Gesichter werden zu höllischen Fratzen verschmolzen. Sie kennen keinen Schmerz und keine Verlegenheit. Sie stehen zum Lauf der Dinge, zu ihrem „Hefeteig“-Körper, sie sind mehr als bereit, die Hexe zu geben.

She She Pops Quotenmann rührt schon mal die Flugsalbe zusammen (Rezepte finden Sie im Internet, aber Vorsicht) und bittet um etwas Blut von der letzten Menstruation. Damit können seine Kolleginnen leider nicht dienen, so dass er es mit Beerensaft und Balsamico versucht.

She She Pop nehmen kein (Feigen-)Blatt vor den Mund und halten sich schon gar keins vors leicht ergraute Geschlecht (und nein, liebe junge Zuschauerinnen und Zuschauer, einst hat frau sich dort unten keineswegs rasiert). Und übrigens, so wissen sie zu berichten, kommen nur die Kühe von Grindwalen in die Wechseljahre. Und übrigens, erzählen sie triumphierend, wurde Thor unverwundbar, nachdem er im Menstruationsblut von Riesinnen gebadet hatte. Und wussten wir, dass 2017 in Sao Paulo eine Judith-Butler-Puppe verbrannt wurde, die Philosophin mithin zur Hexe deklariert. Zwischendurch stimmen sie „Memory“ an, das Lied der alten Grizabella aus dem Musical „Cats“.

Keine Chance, dass diese fidele, entspannt wirkende Truppe sich aufs Altenteil zurückzieht und von der Erinnerung lebt – diese Zitronen haben noch viel Saft, könnte man mit Lotti Huber sagen. Rund 75 Minuten lang trumpfen die She Shes auf, nehmen sich dabei auch selbst auf den Arm und keine Rücksicht auf die Älteren im Publikum, heben manchmal, aber nur manchmal ein bisschen den Zeigefinger. „Hexploitation“ ist eine Materialsammlung wie auch eine bunte, unterhaltsame Kampferklärung ans Patriarchat. Die ist leider immer noch bitter notwendig.

Frankfurt LAB: 16., 17. Juli. www.mousonturm.de

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