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Indigener Kopfschmuck, Weihnachtsdeko? Szene aus „Promise“. Foto: Andreas Etter
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Indigener Kopfschmuck, Weihnachtsdeko? Szene aus „Promise“.

Tanzmainz

Sharon Eyal „Promise“: Zusammenrücken, Herzen formen

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Sharon Eyals kurze, aber energiegeladene Choreografie „Promise“ für Tanzmainz.

Es sind derzeit vor allem zwei Namen, die den Tanz in Deutschland mit einer so charakteristischen wie kaum nachzuahmenden Handschrift prägen: Marco Goecke, inzwischen Ballettchef in Hannover, mit seinem lidschlagschnellen, nervösen Stil und Sharon Eyal, die sich auf eine andere, aber nicht weniger eigenwillige Bewegungspalette konzentriert. Beide waren auch in der Pandemiezeit äußerst produktiv; die Israelin Eyal konnte sich am Sonntagabend in Mainz anlässlich der Uraufführung ihres jüngsten Stückes „Promise“ im Kleinen Haus nicht mit verbeugen , weil sie bereits in Paris am nächsten Auftrag arbeitet.

Tanzdirektor Honne Dohrmann gehört zu den Glücklichen, die seit langem einen guten Kontakt zur weltweit gefragten Sharon Eyal haben, „Promise“ ist das dritte Stück für das feine Mainzer Ensemble. Vom Vorgänger „Soul Chain“ gab es reihenweise Zusatzvorstellungen, das Publikum ist auf den Geschmack ihrer energiegeladenen Choreografien gekommen.

Dabei sind das keine „Abendfüller“, und sparsam ist ihre Bewegungssprache außerdem. Doch eben auch intensiv, ausdrucksstark, originell. Jede Kleinigkeit scheint – auch darin ist Eyal Goecke verwandt – mit Bedacht geformt und transportiert trotz aller Fremdartigkeit stets Assoziationen und Emotionen.

Aber was wird nun versprochen in „Promise“? Hochgeschlossene himmelblaue Badeanzüge und Socken tragen die drei Tänzerinnen wie vier Tänzer, über ihnen hängen zeitweise ferne, fahle Sterne (Licht und Bühne: Alon Cohen). Wie bei Eyal üblich muss das Ensemble über lange Strecken auf halber Spitze bleiben, trippelnd, nie kraftvoll ausgreifend, so dass der Eindruck von Verletzlichkeit und Schüchternheit entsteht.

Das Hessische Staatsballett hat im Doppelabend „Horizonte“ gerade Sharon Eyals „Untitled Black“ im Programm (in Wiesbaden). Dort erscheint das Ensemble eher wie von einem anderen, leicht dämonischen Stern. Hier sind die sieben Tänzerinnen und Tänzer mal in Maßen ausgelassene, mal sich freundlich oder auch ein wenig lüstern und ekstatisch zusammenrottende Menschlein. Sie pressen sich aneinander, stecken die Köpfe eng zusammen, aber wenn eine Hand auf Brust oder Bauch liegt, dann ist es meist die eigene.

Einige Male formen zwei oder mehr von ihnen mit den Armen ein Herz. In einer kleinen Sequenz scheinen sie auch Küsschen zu werfen, aber wie meist bei Sharon Eyal geht es nur um Andeutungen, nicht um eine Offensichtlichkeit. So muss die Kritikerin bei einer kleinen Schulter-zu-Schulter-Handbewegung ans Bekreuzigen denken.

Es gibt bei Sharon Eyal kein Pausieren, kein Aussetzen einzelner Tänzer, alle sind immer in Bewegung. Das schafft aus Ruhelosigkeit, einer gewissen Zackig- und Geschwindigkeit die typische, über die Rampe flutende Energie der Eyalschen Choreografien. Dazu kommt die wie immer stark rhythmuslastige, beatgeprägte Musik Ori Lichtiks, die diesmal in der zweiten Hälfte der 45 Minuten „Promise“ weniger unerbittlich ist, da der Komponist unter anderem ein wenig Bartók und Melancholisches von Patrick Watson verwendet.

Am Ende gibt es stehende Ovationen fürs abgekämpfte Ensemble. Und Herzchen-Zeichen zurück. Denn natürlich ist man auch einfach froh, sich gegenseitig leibhaftig zu sehen – muss aber fürchten, dass das demnächst wieder ein Ende hat.

Staatstheater Mainz, Kleines Haus:

3., 4., 20., 22., 23. Dezember, 5. und 11. Januar. www.staatstheater-mainz.com

„Horizonte“ im Staatstheater Wiesbaden, Großes Haus: 2. und 4. Dezember. www.hessisches-staatsballett.de

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