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Ohne Hund lacht die Königin prinzipiell nicht. 

Bad Hersfelder Festspiele

„Shakespeare in Love“ in Bad Herfeld ist unwiderstehlich

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Die Königin und der Hund: Tom Stoppards Shakespeare-Komödie in der Stiftsruine.

Wer 1998 gerade in der Snobphase war und sich Joseph Fiennes weder als William Shakespeare vorstellen konnte noch wollte, hatte sogar von Marc Normans und Tom Stoppards etwas überschlauem Drehbuch wenig. „Shakespeare in Love“ schlug nach dem Kinoerfolg (denn so viele Snobs gibt es gar nicht, dass es nicht immer noch viel mehr Joseph-Fiennes-Fans gäbe) eine Karriere als Theaterstück im Indoor- wie im Outdoor-Bereich ein (soeben auch in Bad Vilbel, vgl. FR v. 24. Juni). Die Erwartungen sind ohne Joseph Fiennes bescheidener und zugleich vielfältiger, der Gewinn also letztlich höher.

Die Bad Hersfelder Inszenierung von Antoine Uitdehaag ist schier unwiderstehlich. Das hat verschiedene Gründe. Klaus Figge, Altmeister des Bühnenkampfs, hat mit dem quicken Ensemble Fechtszenen einstudiert, wie man sie in dieser Brillanz und Länge, einer echt angeberischen Länge, außerhalb von Errol-Flynn-Filmen selten sieht. Jens Kilians Bühne ist manchmal fast ein Globe Theatre, dabei aber so lose und lässig, dass die Raumtiefe zur Geltung kommt, und auch über Erika Landertingers Kostümen liegt eine lässige Duftigkeit, passend zur Brise. Aus dem Hintergrund kommt auch Shakespeare selbst erst langsam nach vorne, denkend und jammernd, weil ihm nicht einfallen will, wie er sein Sonett 18 schreiben soll. Mephistophelisch mischt sich Christopher Marlowe in die Handlung und ist dem brütenden Dichter mit gutmütiger Nonchalance behilflich. Gespielt wird er von Roland Riebeling, dem trägen Assistenten von Schenk und Ballauf. Als Marlowe behält er sich eine Nuance Trägheit bei, ist aber zugleich blitzgescheit, eine effektvolle Kombination.

Dass Dennis Herrmann wiederum Joseph Fiennes ähnlich sieht, nervt nicht mehr, sondern ist ein Spaß mit Zitaten, eine weitere Ebene, während Kenner Stoppard den Anglisten in uns mit Shakespeare-Versatzstücken, -Gerüchten, -Klischees unterhält.

Angenehm ist ja, wie untragisch sich Drama und Wirklichkeit hier verklammern. Der Liebestod findet schließlich nicht statt, die große Liebe – Natalja Joselewitsch, eine so lebhafte wie vernünftige Viola-Julia – ist nicht zu bekommen, aber das Leben geht weiter. Die Stückchen im Stück sind albern, aber sie verraten die Kunst des Theaters nicht. Selbst der neureiche Finanzier Fennyman lässt sich in Form von Robert Joseph Bartl auf rührende und hingebungsvolle Weise von ihr verzaubern. Königin Elisabeth, Brigitte Grothum, geht gerne ins Theater, aber vor allem, weil ihr ein Hund, Ginger, versprochen worden ist. Der Hund bringt sie zum Lachen, endlich. Theater ist ein beinhartes Geschäft, ein unwiderstehliches.

Bad Hersfelder Festspielein der Stiftsruine: 13., 15., 18., 19., 21., 25., 26., Juli. 1. August. www.bad-hersfelder-festspiele.de

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