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Katharina Hintzen und Samuel Koch.
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Katharina Hintzen und Samuel Koch.

Staatstheater Darmstadt

Selbst der Vorhang fällt auf ihn drauf

„Der Menschenfeind“ von Molière am Staatstheater Darmstadt als unzweifelhafter Spaß.

Molières „Menschenfeind“ spielt in einer analogen Welt, in der Beleidigungen von Aug’ zu Auge ausgesprochen werden oder wenigstens eine Handschrift haben. Gleichwohl wirkt das eigentliche Thema modern, das nicht so sehr im Menschenfeindlichen der Hauptfigur liegt, sondern in ihrem idiotischen Beharren auf der Wahrheit (also: „der Wahrheit“). Mag die Hautevolee von einst arg unehrlich im Umgang gewesen sein, wir sind es eh auch. Menschen können sonst nicht miteinander auskommen, wie Alceste begreifen würde, wäre er nicht so ein Egomane und Jammerlappen.

Selbst das Bühnenbild am Staatstheater Darmstadt verschwört sich gegen ihn. Vorhänge wollen sich nicht zuziehen lassen, schlappen ihn an, wickeln ihn ein. Treppen ziehen sich zurück und machen den ehrenvollen Abgang unmöglich. Da steht er dumm rum, der arme Menschenfeind. Christoph Bornmüller ist das hier, optisch ein Softie, mental eine beleidigte Leberwurst, körperlich extrem elastisch. Seine Unausgeglichenheit hält ihn in Bewegung, er ist aber nicht der alleinige Star der Inszenierung von Maria Viktoria Linke, die sich in diesem Fall nun wirklich einmal nicht für den Ernst des Lebens interessiert. Stattdessen zeigt sie einen lustigen, von Slapstick und Situationskomik durchsetzten, kurzweiligen und pausenlosen Abend (in Jürgen Goschs und Wolfgang Wiens’ gereimter Fassung). Das ist nicht wenig, überhaupt ist hier alles viel.

Die meisten sind schon da, als der Vorhang, hier noch verlässlich, aufgeht. Wolfgang Menardis Bühne lässt auf kurios ausstaffierte Stufen eines anderen, teilbestuhlten Zuschauersaals schauen. Bornmüller findet das unbequem, leidet, schafft sich einen Klappstuhl herbei, auf dem er im Folgenden herumglitscht. Pfau und Totenschädel treten in farbenfrohen Varianten auf, ein hippes Memento mori für eine überkandidelte, von Ines Burisch abwechslungsreich und karnevalesk eingekleidete Gesellschaft: Christian Klischat ist der verschlamperte Dichter Oronte, Jörg Zirnstein und Béla Milan Uhrlau sind die zwillingshaften Dumm-Beaus Acaste und Clitandre. Gabriele Drechsel wartet geduldig auf ihren Auftritt als bigotte, aber ebenfalls herzlich durchgeknallte Arsinoé, Katharina Hintzen ist als Éliante ein wimpernklimperndes Gliederpüppchen (kann auf Spitze tanzen!). Die Männer sind grundsätzlich verknallt in Célimène, Jessica Higgins, die unwiderstehlich, aber auch unmöglich ist. Alcestes kluges Gegenstück Philinte ist Samuel Koch, der sich längst zum Schauspieler mit Ausstrahlung entwickelt hat und erneut vorzüglich eingesetzt wird: Auch er ein bunter Vogel, aber mit der sanften, müden Stimme der Vernunft.

In den Nebenräumen ist – man hört es, wenn der Diener (Hans-Christian Hegewald) mit, äh, Pferdekopf, Straußenleib oder Wackelpudding vorbeieilt – der Mob am Zocken. Es erklingt ausgesuchte Musik (Johannes Mittl, auch am Klavier dabei), Merkmal eines auf seine Weise sehr ausgefeilten Abends.

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